Avocados und der Anreiz zur Nachhaltigkeit

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Avocados und der Anreiz zur Nachhaltigkeit | story.one

Ich habe es gestrichen voll. Eine Badewanne gestrichen voll, mehrere davon sogar.

Dann habe ich jetzt halt innerhalb von 3 Tagen 7 Badewannen gefüllt, weil ich jeden Tag eine Avocado gegessen habe. Noch dazu habe ich auch noch die mexikanische Avocado Mafia unterstützt.

Was kann ich dafür, dass die mexikanische Regierung nach den jahrzehntelangen Drogenkriegen es nicht mehr schafft, all seine Industriezweige zu überwachen und die reichen Großbauern die abgelegenen Regionen kontrollieren und der dortigen Bevölkerung das Grundwasser abzapfen.

Es war eine Supersonderaktion im Supermarkt - eine der grünen Superfrüchte für 79 Cent, da hat der österreichische Apfel, welchen ich mir noch dazu gekauft habe, 59 Cent gekostet. Kurz gefreut, bis mir wieder einfiel, welchen Mehraufwand die 20 Cent alles decken. (1 Kg Avocados braucht im Anbau 1000 Liter Wasser)

Nachhaltigkeit wird einem als Konsumenten aber auch nicht leicht gemacht.

Dann werde ich noch dazu vor dem Supermarkt von einer Gruppe angesprochen bezüglich der Marktanalyse für eine neue App.

Man scannt seinen Kassabon ein und die App berechnet, wie nachhaltig der Einkauf war. Nach kurzer Erklärung zog ich weiter, da dass wieder nur eine halbe Lösung ist, weil das nur die benutzen, die eh wissen wie die Lage ist..

Endlich raus aus der Kälte und rein in die warme Wohnung. Ich richte mir wieder eine Avocado her und lese entspannt etwas Nachrichten.

"Biobauern zunehmend unter Preisdruck, Biohühner machen nur 2 % vom Markt aus in Deutschland."

Dazu der herrliche und schockierend wahre Aussage – Vom Lippenbekenntnis bis zum Griff ins Portemonnaie ist ein weiter Weg. Jeder sagt man will Bio, aber vorm Regal greift man doch ausnahmsweise zum normalen Huhn, weils halt gerade in Aktion ist.

So ist er halt, der mündige Konsument. Die Verantwortung wird einem in den Schoß gelegt. Wenn man sich dann über die Auswirkungen aufregt heißt es ganz leise: "Das wolltest du doch so, oder zumindest hat den Kaufverhalten das ausgesagt."

Jahrelang wird schon fast vorgebetet, was man tun soll, um „die Erde“ zu retten.

Machen wir jetzt eine Co2-Steuer oder nicht?

Achso es könnte unserer Wirtschaft schaden und Österreich ist doch eh so klein, da zahlt sich das ja nicht so aus. Der Staat will in dem Punkt ja nicht soweit in unser Leben eingreifen.

Welchen Stupser haben wir jetzt übrigens gebraucht, um vorübergehend weniger zu fliegen? Genau, den Coronavirus.

Ich merke wie es langsam in mir immer stärker brodelt. Das war der Tropfen, der mein Palmölfass zum Überlaufen gebracht hat.

und dann doch ein kurzer verschmitzter Lacher.

Ich kaufe mir einfach doch keine neue Jeans sondern lasse die Alte flicken, dafür darf ich jetzt noch weitere 7 Kg Avocados essen. Mit dem kann ich mein Gewissen genug beruhigen und habe eine Ausrede für mein Kaufverhalten.

Was für einen Stupser werden wir wohl brauchen um unsere Gewohnheiten nachhaltig zu ändern? Es sollte wohl kein gefährlicher Virus sein...

© Zerdenker 08.03.2020