Ramses - das erste Date

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Ramses - das erste Date | story.one

Dass in einer Beziehung ein Dritter nur Platz hat, wenn etwas nicht passt, könnte ich so nicht bestätigen. Das Leben hat mich anderes gelehrt.

Es ist der 27. Feber, 2007, nachmittags, als ich mich wegen eines dienstlichen Problems an unser Rechenzentrum in Wien wenden musste. Dass der Empfänger meiner Nachricht gerade auf Urlaub war und der Kollege sich am nächsten Tag um mein Anliegen kümmern musste, noch dazu an seinem allerletzten an diesem Arbeitsplatz, war wohl wieder so etwas wie Schicksal. Wir hätten uns sonst wohl verpasst. Nach drei dienstlichen Mails hin und her war klar, dass da irgendetwas "anders" war. Damals war mir noch gar nicht bewusst, dass es ER ist, ER dem ich schon ein paar Monate vorher auf seltsame Weise begegnet bin. Nach drei Mails waren wir per du. Keine Ahnung warum. Es war total eigen. Als ob man mit jemandem schreibt, den man immer schon kennt. Und dann ist mir eingefallen, dass ich ihn ja schon einmal gesehen habe. Dass er ER ist. ER, den ich eigentlich ja gar nicht aufregend gefunden habe.

Was folgte, waren sechs Wochen der Kopflosigkeit, des Spagats zwischen liebender und glücklicher Ehefrau, stolzer Mutter zweier Kinder im Alter von damals 10 und 12 Jahren und einer Frau, die sich der Anziehung dieses Mannes und den schnell aufkommenden Gefühlen und einer sich entfachenden Leidenschaft nicht und nicht entziehen konnte. In diesen sechs Wochen habe ich irgendwie funktioniert. GELEBT jedoch habe ich nur, wenn ich Kontakt mit ihm hatte. Per Mail, SMS, am Telefon. Egal. Und wie schon bei unserer ersten Begegnung war wieder mein Körper meinem Kopf voraus und hat auf ihn reagiert, wie man als Frau auf einen Mann reagiert. Durchgehend. Tage, Wochen, Monate. Es hat ewig gebraucht das wieder loszuwerden.

Er war mein erster Gedanke beim Aufwachen, mein letzter vor dem Einschlafen und jeder einzelne dazwischen. Nach sechs Wochen wollten wir uns sehen. Ich habe mir von daheim einen Tag "Auszeit" genommen - mein Mann konnte mir im Nachhinein sogar exakt den Tag nennen, wo ich angefangen habe mich zu verändern.

So setzte ich mich in den Zug und fuhr nach Wien, an jenem Ostermontag 2007. Und da stand er, am Bahnsteig des damaligen Südbahnhofs. Dieser erste bewusste Blick in seine Augen beinhaltete ALLES. Es war alles in Einem. So selbstverständlich, wie überirdisch. So magisch, wie erfüllend. Das war der mit Abstand emotionalste Moment in meinem Leben. Mein Herz breitete sich in jeder Faser meines Körpers aus. Es war einzigartig!

Wir verbrachten einen wunderschönen Tag in den Parkanlagen von Schönbrunn. Abends brachte er mich wieder zum Zug und ich kehrte in meine Welt zurück.

Jedoch nicht mehr als die, als die ich gekommen war.

Am nächsten Tag hatte er frei. Wir hatten keinen Kontakt. Und Mittwoch in der früh saß ich da und überlegte mir, wie ich ihm schreiben soll, dass das nicht geht mit uns, als eine E-Mail von ihm reinkam mit den Worten "Claudia, ich glaub ich kann das nicht.. " danach folgte sein erster Rückzug ...

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