Baron Gautsch 3.0

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Montag. Wetter: zumindest besser als am Sonntag. Immerhin gut genug, dass das Tauchboot am Nachmittag mit 10 Tauchern an Board die Baron Gautsch anfuhr.

Je näher wir unserem Ziel kamen, desto höher stieg mein Puls. Wir waren fast da! Langsam kehrte Leben in die Truppe ein. Alle fingen an, ihre Ausrüstung nochmal zu checken, Neopren anzüge wurden mühevoll angezogen und Jackets an den Sauerstoff angeschlossen, Maskenbänder kontrolliert. Auch ich war gerade damit beschäftigt, meinen Anzug anzuziehen (die Dinger kommen einen an Land immer um 4 Nummern zu klein vor. Immer.), als der Motor des Tauchbootes plötzlich verstummte und stattdessen eine Diskussion zu hören war, geführt von auf kroatisch, und zwar vom Kapitän und dem Diveguide. Ich verstand natürlich kein Wort, aber Mario klärte mich auf: Wir waren am Ziel angelangt. Aber der Kapitän wollte umkehren und den Tauchgang abblasen, weil die Wellen zu hoch wären, die Sicht unter Wasser daher auch viel zu schlecht und es allgemein einfach zu gefährlich wäre. Der Diveguide sah das anders und hielt dagegen.

Der Diveguide setzte sich durch. In einem kurzen Briefing erklärte uns der Guide , was wir im Wasser zu tun hätten und dann ging es auch schon los.

Das Boot schaukelte recht stark auf den Wogen und der Sprung ins kalte Wasser tat gut. Schnell merkte ich, dass keine Zeit blieb, den Moment zu genießen, denn ich trieb in Windeseile vom Tauchboot und der Gruppe weg. Also fing ich an zu paddeln, was das Zeug hält. Es war mir streng verboten, allein abzutauchen. Ich musste zur Gruppe zurück! Verdammt, wer hätte gedacht, dass ein bisschen schwimmen so anstrengend sein kann? Jetzt wurde ich richtig nervös. Ich konnte kaum atmen, weil mir ständig Wasser ins Gesicht schlug. Mir blieb also nichts anderes übrig, als den Lungenautomat jetzt schon zu benützen. Ah, viel besser!

Erschöpft kam ich bei der wartenden Gruppe an und gemeinsam paddelten wir zu einer nahe glegenen Boje, von der aus ein Seil bis zum Schiffwrack gespannt war. Unser Abstiegsseil. Der Guide gab das Zeichen um Abtauchen.

1 Meter: Endlich Ruhe! Wunderbar, die Stille unter Wasser. Ich muss mich gut am Seil festhalten, die Wellen zerren uns in alle Richtungen.

7 Meter: Die Wellenbewegungen hören endlich auf. Wie friedlich es jetzt ist...

15 Meter: Blau. Kein oben, kein unten. Nur blau. Und ein Seil. Wahnsinnig tolles Gefühl. Jetzt lass ich das Seil doch mal los und genieße für ein paar Sekunden das Gefühl der Schwerelosigkeit.

23 Meter: So tief war ich noch nie. Langsam wirds kalt. Und dunkel.

27 Meter: Da ist der Mast! Wow, woooooow, das ist unglaublich! Was warten denn alle hier, spinnen die? So viel Zeit haben wir auch nicht, also los!

Ohne Mich nochmal umzublicken, pflügte ich davon. Das Wrack zog mich wie magisch an.

Ende Teil 3

PS: Sorry! Ging sich schon wieder nicht aus, obwohl ich schon so viel ausgelassen hab. Kurzes Erzählen ist eine Kunstform, die ich leider noch nicht beherrsche. Es gibt also noch einen 4. Teil. Dann ists aber aus!

© Ziona