#corcooning

Egoismus in Krisenzeiten

  • 171
Egoismus in Krisenzeiten | story.one

Fast schon leidig wird einem das Thema Covid-19 in diesen Tagen. Die Berichterstattungen darüber überschlagen sich, die Zahlen werden immer höher und erschreckender, die Maßnahmen der Regierungen immer einschneidender.

Aber nicht nur die News über die Krankheit per se verunsichern - auch die Berichte über das Verhalten der Menschen in dieser schwierigen Situation schockieren. Leute, die Mundschutz und Desinfektionsmittel aus Krankenhäusern stehlen, Hamsterkäufer, die der restlichen Bevölkerung Klopapier und Nudeln wegkaufen, riesige Shitstorms gegen "Patient(en)-Null", die die Krankheit in Regionen oder Arbeitsplätze einschleppen. Selbst das andere Extremum - die Ignoranz mancher Menschen bezüglich der Ernsthaftigkeit der Lage - erstaunt mich immer wieder.

Man muss aber gar nicht auf diese publiken Beispiele zurückgreifen, um den Egoismus von Individuen zu erkennen. Innerhalb weniger Tage hat sich mein Leben extrem gewandelt. Ich beschwere mich über die auftretenden Probleme beim Verfassen meiner wissenschaftlichen Arbeit von Zuhause aus, die kurzfristige Absage meines Städtetrips am kommenden Wochenende, die Einstellung des Spielbetriebs meiner Amateur-Fußballliga sowie über alle anderen Einschränkungen hinsichtlich Hobbys die soziale Komponenten enthalten. Selbst meine Pläne für den Sommer sind in Schwebe, waren doch zwei Besuche bei Spielen der Fußball-EM geplant. Das sind so meine Probleme im Moment. Einschränkungen meiner Lebensweise aufgrund eines Virus der mir als gesunden jungen Menschen vermutlich sowieso wenig bis nichts anhaben kann - DARÜBER beschwere ich mich.

Immer mehr versuche ich zu verstehen, auch aufgrund der Aussagen von Experten und Politikern in den Medien, dass es hierbei um Solidarität geht - gegenüber der Gesellschaft als Ganzes, aber auch gegenüber Menschen die man liebt: Großeltern, Tanten, immungeschwächte Freunde etc. Auch wenn es mir schwer fällt zu akzeptieren, dass die Quasi-Isolation daheim der beste Weg der Eindämmung/Hinauszögerung ist und ich meine Großeltern dadurch schütze, den Kontakt mit ihnen zu vermeiden.

Unvorstellbar war es mir noch vor 3-4 Wochen, dass Covid-19 in kürzester Zeit ein solch großes Problem in Europa werden würde und derartige Maßnahmen erfordern werde. Umso wichtiger ist es nun auch für mich, einen kühlen Kopf zu bewahren, die Lage zu akzeptieren und meinen Beitrag zur Bekämpfung des Problems zu leisten. Dabei stimmt mich positiv, dass Regierungen aus vergangen Fehler anderer Staaten lernen und rascher handeln sowie dass die meisten Mitbürger vernünftig bleiben.

Wie wollen wir das Jahr 2020 in Erinnerung behalten? Als ein Jahr in dem Panik, persönliche Einschränkungen und eine Vielzahl an Toten unser Leben beherrschten oder als ein Jahr in dem wir zusammen als Gemeinschaft ein riesiges Gesundheitsproblem bekämpften und dadurch eine noch größere Katastrophe verhindern konnten.

© ZlatanW 13.03.2020

#corcooning