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#band#abenteuer#liebe

Kapitel 2

  • 4

Noch immer war ich mir nicht sicher, wie ich unserem Deal zustimmen konnte. Jetzt stand ich hier und versuchte, meine Ohren vor einem Gehörsturz zu bewahren. Lucy hatte uns bis nach vorne an die Absperrung gezerrt. Zwar hatten wir den perfekten Blick auf das Geschehen, doch wir waren nicht die Einzigen mit dieser Idee. Hinter uns drĂ€ngelten sich hunderte Fans, die möglichst nah an der BĂŒhne stehen wollten. Immer wieder wurden wir grob gegen das GelĂ€nder gedrĂŒckt. Erst als ich die Ellenbogen zum Einsatz brachte, schienen zumindest meine Nachbarn zu verstehen, dass ich das Konzert gerne ohne schlimmere Verletzungen ĂŒberleben wĂŒrde.

Vor uns sorgte ein DJ fĂŒr die Einstimmung des Publikums auf die Hauptattraktion des Abends. Als das GedrĂ€nge hinter mir immer stĂ€rker wurde, tippte ich Lucy kurzerhand auf die Schulter. „Ich glaube, ich brauche ein bisschen mehr Freiraum“, brĂŒllte ich ĂŒber das Gekreische der Fans hinweg, doch sie schien alles gehört zu haben. Sie nickte verstĂ€ndlich und drĂŒckte kurz meinen Arm. Dankbar lĂ€chelte ich sie an. Langsam schlĂ€ngelte ich durch die Menschenmenge, immer darauf bedacht, nicht gleich ĂŒberrannt zu werden. Kurzentschlossen schlĂŒpfte ich unter einem Flatterband hindurch und blickte mich suchend nach den Sicherheitsleuten um. Von hier aus hatte ich eine atemberaubende Sicht auf die BĂŒhne, doch sollte ich erwischt werden, konnte diese ganze Angelegenheit ziemlich ungemĂŒtlich werden. Ich machte einige Schritte rĂŒckwĂ€rts und blieb hinter einer Ecke stehen. Langsam verschrĂ€nkte ich die Arme und lehnte mich gegen die Wand. Hier sollte ich vor neugierigen Blicken geschĂŒtzt sein.

KopfschĂŒttelnd beobachtete ich die Menschenmenge. Der Bass dröhnte in meinen Ohren, als der DJ den letzten Song ausklingen ließ. Anschließend kĂŒndigte er den Auftritt von Blaise Wilson an. Das Gekreische vor wenigen Minuten war harmlos, zu dem, das jetzt erklang. Es war fast, als hĂ€tte jemand einen Schalter umgelegt. In dem Moment erschien der SĂ€nger auf der BĂŒhne. Hinter ihm erkannte ich einige weitere Jungs, die sich verschiedene Instrumente schnappten. Sie winkten, wĂ€hrend Blaise eine Runde drehte und seine Fans begrĂŒĂŸte. Er trug eine enge, schwarze Jeans und ein dunkles Oberteil. Seine Haare hatte er zu einem kurzen Zopf zusammengebunden, der ihm einen lockeren Eindruck verlieh. Als er begann, den ersten Song zu spielen, erstarrte ich. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet.

Als die ersten Töne erklangen, breitete sich sofort eine GĂ€nsehaut ĂŒber meinen ganzen Körper aus. Ich rieb mir fröstelnd ĂŒber die Arme. Jeder Klang schien eine Art magische Wirkung auf mich zu haben. Wie gebannt beobachtete ich die Band, die diesen Song mit unglaublich viel FeingefĂŒhl spielte und die Menschenmenge in ihren Bann zog. Vielleicht war es doch keine so schlechte Idee gewesen, Lucy auf dieses Konzert zu begleiten.

© Anja Schöpf 2021-11-11

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