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Alltag eines tüchtigen Geschirrtuches

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Alltag eines tüchtigen Geschirrtuches | story.one

Ich sauge immer alles in mich hinein, nie rege ich mich auf, aber nach einem weiteren Tag ohne Wertschätzung platzen mir jetzt fast die Nähte. Dieses Tuch ist voll.

Von morgens bis abends habe ich heute für Trockenheit und Ordnung in der Küche gesorgt, nur um dann auf der verlassenen Kücheninsel zurückgelassen zu werden. So zerknüllt, dass kein Geschirrtuch einigermaßen hygienisch trocknen kann. So geht das fast jeden Tag. Was sind das hier für Arbeitsbedingungen?

An den wenigen freien Tagen, die mir vergönnt sind, kann ich das Leben auch nicht wirklich genießen. Dann hänge ich oft nur so mit den anderen nassen Fetzen am Wäscheständer herum oder gammle im Wäschekorb neben schweißgebadeter Sportkleidung oder einsamen Socken, die verzweifelt auf Partnersuche sind, vor mich hin. Ich weiß in diesen Situationen nichts mit meiner Zeit anzufangen, kann mich zu nichts aufraffen. Wie entkommt man diesem Waschtagsblues?

Tag ein, Tag aus dasselbe.

Ich fürchte mich schon vor dem Älterwerden, denn jeder weiß, was mit verschlissenen, fleckigen Geschirrtüchern passiert. Vorbei sind die Tage der wohlverdienten Pension, in der man von allen vergessen im hintersten Eck der Schublade ruhen darf. Nein, Recycling ist jetzt angesagt. Das bedeutet für mich, dass ich vermutlich als Putzfetzen verwendet werde und mich bis ans Ende meiner Tage abrackern darf.

Nach Tagen wie heute, da möchte ich einfach das Geschirrtuch werfen.

© anneoderreiter 2022-07-13

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