skip to main content

Kalifornien, 2016

  • 5

Keaton wurde von einem lauten Geräusch aus seinem Traum gerissen. In der Dunkelheit konnte er die schemenhaften Umrisse einer Person wahrnehmen, die gerade wieder vom Boden aufstand. Er setzte sich auf und spähte auf die andere Seite des Zimmers zum Bett seines Mitbewohners. Es war leer. Keaton sah wieder zu dem Unbekannten, der ein paar Schritte ging und dann über einen Schuh stolperte. Dieses Mal blieb er mit einem Stöhnen liegen.

„Sean“, fragte Keaton leise, „alles okay?“ Als er nur ein Grummeln als Antwort bekam, schaltete er seine Nachttischlampe an. Das gedimmte Licht erfüllte das kleine Zimmer und Keaton konnte endlich erkennen, dass es sich bei der Person nicht um seinen Mitbewohner Sean handelte.

Der Mann lag schlafend auf seiner Seite. Seine Haare verdeckten sein Gesicht, aber Keaton konnte Sommersprossen auf seinen Wangen erkennen. Er trug ein rotes T-Shirt mit griechischen Buchstaben einer Studentenverbindung, die Keaton nie auseinanderhalten konnte. Er wusste, dass er ihn kannte, konnte jedoch nicht genau einordnen woher. Keaton befreite sich aus seiner Bettdecke und hockte sich neben den Mann, um ihn aufzuwecken. Er rüttelte an seiner Schulter.

„Hey, das ist nicht dein Zimmer. Du kannst hier nicht bleiben.“ Der Unbekannte stöhnte, drehte sich von Keaton weg und blieb auf dem Rücken liegen.

Keaton seufzte und sah auf seinen Wecker. 3:47 blinkte ihm in roten Zahlen entgegen. Er würde in wenigen Stunden aufstehen müssen. Sein Blick wanderte wieder zum Mann auf dem Boden. Es war eindeutig, dass dieser erst seinen Rausch ausschlafen musste, bevor er wieder ansprechbar war. Keaton legte sich zurück in sein Bett und hoffte, dass er diesmal ungestört durchschlafen konnte.

Um sieben Uhr wurde Keaton erneut geweckt. Diesmal vom Klingeln seines Weckers. Eine Stimme ertönte, gerade als Keaton den Wecker ausschaltete.

„Shit, alter!“ Er sah von seinem Bett runter auf den Boden, wo der Unbekannte noch lag. Er rieb sich mit seinen Händen über sein Gesicht, bevor er Keaton aus müden Augen ansah. Dieser hatte sich mittlerweile hingesetzt.

„Morgen, ich bin Keaton.“ Der Mann lachte.

„Ich weiß. Sean hatte uns einander schon mal vorgestellt.“ Plötzlich erinnerte sich Keaton wieder.

„Oh, stimmt! Mots, richtig?“ Timothy nickte und setzte sich auf. „Okay, Mots, darf ich fragen, warum du auf meinem Boden geschlafen hast?“ Mots lachte, gähnte und fuhr sich durch die Haare.

„Sean und ich waren gestern bei einer Party hier im Wohnheim. Er ist mit zu ‘nem Mädchen gegangen und hat mir seinen Schlüssel gegeben, weil ich zu betrunken war, um den Weg nach Hause zu finden.“ Er räusperte sich. „Sorry, falls ich dich geweckt habe.“ Keaton nickte kurz.

„Ich wollte mir Kaffee holen. Willst du mit?“, fragte er.

„Fuck, ja, Kaffee klingt jetzt himmlisch.“

© eddie 2022-08-25

Comments

No comments yet.

Jede*r Autor*in freut sich über Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.