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#selbstvertrauen

Ein Zimmer für mich alleine

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Ein Zimmer für mich alleine | story.one

An meinem ersten Arbeitstag wies man mir ein Zimmer zu. Als mein Vorgesetzter die Tür zu Raum Nummer 43 öffnete, schluckte er mühsam nach einem Blick in das Zimmer. Es war ihm unangenehm, ließ es sich aber kaum anmerken. Das war es also, das Zimmer, das ich immerhin für mich alleine hatte. Platz für Kollegen wäre ohnehin nicht gewesen. Ich blickte hinein und schmunzelte, an Hotelgäste könnte man das nicht vergeben. Den Großteil des Raums nahm ein Schrägbalken aus massivem Eichenholz ein. Schräg gegenüber der Tür, war ein kleines Fenster mit einem dunkelblauen Vorhang. Düster, rustikal, aber immerhin lichtdicht. Nicht dass hier in den Bergen viel Beleuchtung gewesen wäre, aber immerhin sind wir hier schon wieder so hoch oben, dass die Sterne abends kristallklar strahlen und der Mond in voller Pracht das ganze Tal in silbernes Licht taucht. Ich hatte noch nie so viele Sterne am Nachthimmel gesehen, vielleicht würde ich den Vorhang doch nicht brauchen.Das Bett nahm den ganzen Raum ein. Es war viel zu gewaltig für eine Person und diese Fläche. Die Bettdecke war überzogen mit blau-weiß-karierter Bettwäsche, das Kissen viel zu schwer und groß.Der Schrank war in den Schrägbalken gebaut. Die Türen ließen sich nicht richtig öffnen. Klobig, beinahe sinnlos.Wenn man die Zimmertür öffnete, verdeckte man die Badezimmertür. Zuerst dachte ich, es wäre keines da. Aber, was für ein Luxus, da war es, ein wahrer Schatz versteckt hinter der Eingangstür. Die Dusche nahm die Hälfte des Raumes ein. 0° das Waschbecken, 45° die Toilette, 90°die Dusche, 180° ein Schritt das Bett.Ja, es war winzig, aber es war ein Zimmer für mich allein. Rückzug. Deckenpalast. Ruhe. Kopfkino. Pausenkönigin. Wolkenschloss. Seele baumeln. Tiefschlaf. Strandurlaub. Städteurlaub. Grenzenlose Möglichkeiten, solang du deinen Kopf tief ins Honigglass tauchst, mit gestrecktem Nacken in den Nachthimmel starrst, die Augen offen hältst für Worte und Blicke, Berührungen und Gerüche, Blütenknospen und Sonnenstrahlen. Ein Zimmer für mich allein, das gefüllt werden kann. Oder einfach nur meines bleibt, denn das allein, ist schon wertvoll genug.

© Johanna_Elisa 2022-12-21

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