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Ein besseres Leben - 2

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Ein besseres Leben - 2 | story.one

Aus Langeweile wuselte Annette in ihrer Wohnung herum, wischte Staub von ihren Pflanzen, sprühte Putzmittel auf den Spiegel und widmete sich schließlich den überfälligen Abwasch in ihrer Spüle. Es klingelte an der Tür. Annette hielt überrascht inne. Wer konnte das sein? Besuch erwartete sie wie gewohnt keinen. Sie tappte zu Tür, strich die nassen Hände an der Jeans trocken. Dabei hatte sie sich an ihren besonderen Tag nicht die Mühe gemacht, ihre Haare zu waschen. Ihr dunkelblonder Bob hing schlaff bis zu ihrem Kinn und unter den grünen Augen zogen sich Schatten in die Länge. Sie ist müde. Hoffentlich war das nicht der nervige Nachbar, der Kröten in seiner Badewanne sammelte. Wie war nochmal sein Name, Chris? Annette kniff ein Auge zusammen und lugte durch den Türspion. Da stand tatsächlich ein Mann aber seine Statur kam ihr nicht bekannt vor. Langsam öffnet sie die Tür und er hebt den Kopf. „Frau Weißbach, wie schön, dass ich Sie persönlich antreffe.“ Er lächelt warm. „Hallo.“ Mehr kommt ihr nicht über die Lippen. „Ich bin Björn,“ er legt sich eine Hand auf die Brust. „Björn Meininger.“

„Aha. Sagen Sie mal, woher kennen Sie meinen Namen?“ bohrt Annette weiter. „Er steht hier auf dem Schild vor Ihrer Eingangstür,“ sagt er beschwichtigend. „Ja, aber was wollen Sie?“ Überhaupt, warum steht dieser Typ so brav gekleidet an einem Samstagnachmittag in ihrer Tür. Das macht doch niemand. Außer Leute die einem irgendwas andrehen wollen. Vielleicht Gras, oder noch besser falsche Versprechungen, in die sie investieren soll. Auf jeden Fall will der Kerl Geld. Das kapiert doch jeder.

Ich würde Ihnen gern ein besseres Leben ermöglichen,“ sagt er und zwinkerte. Der Typ hatte sie nicht mehr alle. Annette schürzt die Lippen. „Danke, aber ich kaufe nichts.“ Doch bevor sie zu einer weiteren bissigen Antwort ansetzen kann, dämmert es ihr. Rita. Ihre Freundin von der Journalistenschule hatte bei ihrem letzten Telefonat erwähnt, dass sie sich für ihren Geburtstag eine Überraschung überlegt hatte. Das hatte sie gesagt, nachdem Annette ihr von der Frustration des Single-Lebens und der Abwesenheit sämtlicher sexueller Aktivitäten vorgejammert hatte. Eine Überraschung. Das war zwar schon ein halbes Jahr her aber sie erinnert sich genau.

© Lisa-Marie Lehner 2022-10-13

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