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Jetzt sitzt du hier

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Jetzt sitzt du hier | story.one

auf deiner Dachterasse. Ich kann mich noch ganz genau erinnern, damals als ich 7 Jahre alt war. Jeden Tag, an dem ich in die Schule gegangen bin, bin ich an Drogensüchtigen, Prostituierten und Obdachlosen in unserem Keller vorbeigegangen. Kennst du die Aussage „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ oder die Tatsache, dass die Bildungsmobilität in Österreich sehr gering ist, was heißt, dass die meisten Kinder keinen Universitätsabschluss haben werden, die aus einem Elternhaus ohne Universitätsabschluss kommen? Was nicht heißt, dass man ohne Universitätsabschluss nicht auch erfolgreich und Multimillionär werden kann dazu gibt es zum Beispiel Instagram und das chinesische TikTok, das alle so absurd fanden aber heute fast jeder zweite benutzt. Trotz allem bietet ein Universitätsabschluss viele offene Türen, die sonst für immer verschlossen bleiben. Ich konnte die Türen öffnen. Was heißt es diese Türen zu öffnen? Status, Ansehen, Geld und eine Karriere. Ob das glücklich macht? Bis zu einem gewissen Grad ja, weil man durch das Geld Freiheit gewinnt und danach streben wir doch alle? Keine Existenzängste die einen tagtäglich prägen, mit denen ich aufgewachsen bin. Die meisten meiner FreundInnen kennen dieses Gefühl nicht. Sie kennen nicht das Gefühl in der Früh aufzuwachen und nicht zu wissen wie man den Tag überstehen soll. Während meine Freunde Klavierunterricht genommen haben und Tennisspielen waren, bin ich vor dem Fernseher gesessen und habe den Tsunami in Sri Lanka und Natascha Kampusch ganz nah verfolgt. Während meine Freunde mit ihren Eltern zu Abend gegessen haben, habe ich das Kindermenü von McDonalds bekommen. Aber ich möchte hier nicht schwarz malen, ich hatte die Eltern meiner Freunde die mir Urlaub in 5 Sterne Hotels zahlten mit zwei Messern und Gabeln und einem Löffel über dem Teller. Mit Tennisstunden und Wellness besuchen. Doch jedes Mal, wenn ich nach Haus ging, hatte ich Angst, vor der Kälte in der Wohnung, denn wir konnten uns schon vor den Ukraine Krieg keine Fernwärme leisten. Ich hatte Angst, dass mein Vater neuen Müll nach Hause gebracht hat sowie Plastikbecher, Zeitungen oder Taschentücher die ganze Wohnung füllten. Ich schlief mit meiner Mama in einem Zimmer neben der Küche, das Zimmer war so groß, dass zwei Betten aneinander gepasst haben, ich möchte nicht wissen welche Tiere unter diesen Betten lebten. Noch heute Träume ich noch manchmal von dem Zimmer, aber so, dass es schön aufgeräumt ist. Noch heute höre ich den Baum im Hof, von dem die Äste an dem Fenster wischten und sich wie Gespenster anhörten.

Meine Mutter wusste wie unglücklich ich in der Wohnung war, ohne Heizung, warmen Wasser dafür mit ganz viel Müll und Schmutz deswegen versprach sie mir jeden Monat, dass wir kommendes Monat umziehen würden und dass sie sich Wohnungen ansehen würde – was sie nie tat. Heute weiß ich sie wollte ihre Tochter nur glücklich machen und das war der einfachste Weg, dass ich für einen Monat glücklich war.

© MariposaAzul 2022-07-13

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