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#1sommer1buchtirol

Wie die Katze auf den Degu kam

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Wie die Katze auf den Degu kam | story.one

Meine älteste Tochter wünschte sich Springmäuse, die man angeblich in jeder Tierhandlung findet. Stimmt nicht, wir kamen mit zwei kleinen süßen Degus nach Hause.

Im ausgeborgten Mäusekäfig konnten wir Hanni und Nanni nicht lange beherbergen, da sie begannen, die Gitterstäbe anzunagen. Deshalb musste ein Terrarium her, das wir im Wohnzimmer aufstellten, weil diese Tiere nachtaktiv sind. Wir kleideten ihr neues Domizil mit Zweigen unserer Weide aus, da hatten sie genug zum Knabbern. Auf dem Deckel des Terrariums machte unser Kater Flecki gerne ein Nickerchen oder verfolgte seine eigene Sendung "Universum“.

Eines Tages jedoch, ich hatte meine beiden jüngeren Kinder gerade in den Kindergarten gebracht, musste der stattliche Kater die filigrane Terrariumdecke mit einem gewaltigen Sprung zum Einsturz gebracht haben. Das bewiesen Fleckis graue Haarbüschel, die am oberen Rand des Terrariums klebten, der Rest der Katze war jedoch verschwunden. Flecki musste sich so erschrocken haben, dass er gleich das Weite gesucht hatte. Die Degus aber krabbelten wie durch ein Wunder unversehrt in ihrem Zuhause herum, so als wäre nichts geschehen.

Als meine Tochter Hanni eines Tages zum Streicheln herausnahm, kam Flecki plötzlich interessiert angelaufen. Hanni geriet in Panik, biss Michelle glücklicherweise nur leicht in den Finger und glitt ihr aus der Hand. Sobald der Degu unten aufkam, schnellte der Kater vor, um mit dem armen Wesen im Maul davonzulaufen. Ich hinterher, verzweifelt versuchend, Hanni aus der Gewalt des Katers zu befreien. Dieser wollte aber seine Beute um keinen Preis loslassen, bis ich ihm einen leichten Klaps auf den Allerwertesten versetzte. Ich hatte die Katze noch nie zuvor geschlagen und erzielte damit nun den gewünschten Erfolg. Der Degu plumpste auf den Boden, ich packte Flecki und sperrte ihn in die Küche. Mit dem Besen kehrte ich den reglosen, eingespeichelten Nager auf eine Schaufel, um ihn wieder zurück ins Terrarium zu befördern, wo Hanni bald aus der Schockstarre erwachte.

Als wir in Windischgarsten Skifahren waren, erreichte mich der aufgeregte Anruf meiner Mutter: „Die Degus sind ausgebrochen!“

Was war geschehen? An der Vorderseite ihres Glaspalastes befand sich eine Luftleiste aus Alu, die sie mit ihren messerscharfen Zähnen durchgenagt hatten. Meine Mutter, die sich vor Nagern ekelt, hatte nun alle Hände voll zu tun, um die Ausbrecher im dreigeschossigen Haus zu entdecken. Einerseits konnten sie sich ja bereits in Fleckis Bauch befinden, anderseits wer weiß wo verbergen. Hanni konnte bald eingefangen werden, von Nanni fehlte aber jede Spur.

Als wir heimkehrten, folgte ich Flecki in den stets verschlossenen Keller. Im Nu hatte er Nannis plattgedrückte Überreste unter einer alten, umgefallenen Matratze aufgespürt. Wir begruben unsere Nanni unter der Trauerweide. Hanni lebte noch vier glückliche Jahre mit einer neuen Gefährtin und wurde ein wahrer Methusalem unter den Degus!

© Silvia Peiker 2020-09-18

Katzengeflüster

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