09-03-2026

von Roswitha Springschitz


Polternde Geräusche aus dem Badezimmer wecken Alina auf: Unüberhörbar ärgert ihr Vater sich über irgendetwas. Sie zieht die Decke über den Kopf und döst weiter.

Alina hat sich oft schon einen cooleren Vater gewünscht. Einen, der auf der Seite der Frauen steht. Einen feministischen Vater. So einen wie Betty ihn hat: Der geht doch tatsächlich mit Bettys Mutter auf Demonstrationen! Tanzt bei „One Billion Rising“ zu „Break the chain“ und verfasst Artikel, in denen er sich für die Schließung des Gender Pay Gap einsetzt! Aber solche Väter sind eine Ausnahme, weiß Alina, von ihren anderen Freundinnen. Leider.

Mit dem Schlafen und Dösen ist es vorbei, fühlte Alina. Sie bleibt aber liegen. Schulfrei heute! Oder eigentlich nicht wirklich: Betty, Carla, Rena, Olivia und sie haben beschlossen, sich dem globalen Frauenstreik des 9. März anzuschließen und statt in die Schule vormittags ins Kino, zum Film „Ein Tag ohne Frauen“ und anschließend zur Versammlung am Hauptplatz zu gehen

Alina hat also keine Eile.

Aber es interessiert sie, ob ihre Mama Vera ihrem Vorhaben, auch zu streiken treu geblieben ist. Angekündigt hat Vera dies, mehrfach, auch gegenüber Alinas Papa Franz. Wobei an Franz‘ Gesichtsausdruck erkennbar war, dass er wieder einmal „auf Durchzug“ geschaltet und Vera gar nicht zugehört hat. ‚Wie hält sie das nur aus?‘, hat Alina sich schon so manches Mal gefragt. Die Erwachsenen, in ihrem, wie ihr immer wieder scheint, unsensiblen, eingefahrenen Verhalten sind ihr sehr oft ein Rätsel. Na sie wird sich so etwas jedenfalls sicher nie bieten lassen, denkt sie dann.

Dass Vera so vieles über sich ergehen lässt, ist auch ein Grund dafür, dass Alina ihrer Mutter gegenüber oft kratzbürstig und gereizt ist: Sie will eine starke Mama! Eine Mama, die sich nicht alles gefallen lässt! Eine dem Papa gleichgestellte!

Alina steht auf und begibt sich ins Wohnzimmer. Dort sitzt ihre Mama, im Bademantel glücklich und zufrieden da und schaut aus dem Fenster. „Guten Morgen, mein Schatz!“, begrüßt sie ihre Tochter. „Das ist ein wunderbarer Morgen, heute! Ich glaub’, ich werd‘ das jetzt öfter machen. Aufstehen – und dann nichts machen. Das tut so gut!“

Alina sagt darauf gar nichts. Sie kuschelt sich neben Vera auf die Couch: wie in früheren Zeiten, als sie noch ein kleines Mädchen war…




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