Bonjour Cote d'Azur

von Klaus Rafenstein

Die Weite über dem Meer lädt unsere Gedanken zum Wandern durch unsere Köpfe ein. Wir begleiten sie spazierend am Weg rund um das südfranzösische Cap Ferrat.

Herbst an der Cote d’Azur. Nur Weniges im Leben ist schöner. Die Sonne heizt, die Brise kühlt. Nicht genug. Während in der Heimat bereits die ersten Frostbeulen wachsen, verlagern wir unser Gespräch in den mediterranen Pinien-Schatten.

Beim Walk & Talk suchen wir Antworten auf unsere Fragen. “Was genau ist die Visions-Schmiede? Was ist der Nutzen? Für wen? Was bieten wir? Was nicht?” Nun wird daraus ein Sit & Talk. Dem Ideenreichtum in uns tut dies keinen Abbruch. Aus uns sprudelt es weiter. Der Quell der Kreativität ist angezapft. Es macht Spaß neue Workshop-Ideen in diesem Ambiente zu einem wohligen großen Ganzen zu formen.

Der Wind trägt uns Damenlachen ans Ohr. Wir halten inne und beobachten das Treiben am Felsen unterhalb des schmalen Kiesweges. Der Sekt hüpft fast unaufgefordert aus der Kühltasche, um sich gleich danach einem erfrischenden Schaumbad in den mitgebrachten Gläsern zu ergeben. Aufbrausend eifert er mit der Wellen-Gischt in der Brandung um die Wette. Wir sehen dem Bikini-Posing zu und lauschen, wie sich das Meeres-Getose mit dem Damen-Gekichere zu einer Wohlfühl-Symphonie vermengt.

Zurück zur Arbeit. Die sich in dieser Wohlfühl-Atmosphäre ganz und gar nicht wie Arbeit anfühlt. Und genau darum geht’s. Wie schafft man es, die eigene Berufung zu leben? Und Sinn im eigenen Tun finden? Das ganze gepaart mit einer glücklich machenden Work Life Balance? Wir werken weiter an unserem Workshop und machen uns zurück auf den Weg nach St. Paul de Vence. Würde ein Regisseur versuchen, dieses malerische Dorf zu inszenieren, er würde kläglich scheitern. Die Kunst, die Kreativität und auch der Charme sitzen in jeder Fuge der Kopfsteinpflasterwege hoch oben über dem Meer. Russell Crowe’s Film “Ein gutes Jahr” hat mich inspiriert. Die Aufnahmen der Provence haben in mir die Sehnsucht gestärkt, hierherzukommen. Er selbst ist nach den Dreharbeiten in die Provence gezogen. Ich kann’s verstehen.

Sonnendurchfluteter Morgen in der Villa St. Paul. Sosehr wir uns am heißen Nachmittag gestern das kühlende Meer gewünscht haben, so dankbar sind wir nun über das geheizte Pool. Der aufsteigende Dampf bringt einen Hauch Mystik in den Garten. Gepflegtes Grün soweit das Auge reicht.

Mein Blick schweift über die Hügel der Landschaft. Vor meinem geistigen Auge erscheint die Frischkäse-Werbung aus Kindheitstagen. Der alte Franzose taucht sein knuspriges Baguette in den cremigen Bressot, gespickt mit Kräutern der Provence. Er sieht in die Ferne, genießt seinen herzhaften Biss und sagt inbrünstig: “Magnifique”. Damals dachte ich, er meint den Frischkäse. Heute weiß ich, er meinte die Landschaft. Ich freue mich auf Oktober. Dann machen wir Nägel mit Köpf. Und schmieden Visionen.

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