Brimor stellte sich neben sie, die Axt erhoben. »Das wird unordentlich.«
Der erste Angreifer stürmte auf Brimor los. Der Zwerg duckte sich, rammte dem Mann die Schulter in den Bauch und ließ ihn röchelnd gegen die Wand prallen. Ein zweiter hob den Knüppel – klirr! Lyriels Dolch schlug dagegen, ihr Fuß landete blitzschnell im Schienbein des Gegners.
»Nicht schlecht, Kurzer«, rief sie, während sie einem dritten Angreifer auswich.
»Halb so schlimm!«, keuchte Brimor, packte einen der Kerle am Gürtel und schleuderte ihn in einen alten Wasserbottich. Das Wasser spritzte hoch, ein Fluch folgte.
Doch sie waren in der Unterzahl. Immer neue Hiebe prasselten auf sie nieder, die Angreifer drängten sie gegen eine Mauer. Lyriel wirbelte, parierte, spottete, aber Brimor spürte das Gewicht der Übermacht.
Da kam ihm ein Gedanke. Mit einem Brüllen rammte er die Axt in einen morschen Balken über ihnen. Holz splitterte, ein altes Regal brach krachend zusammen – und begrub zwei der Angreifer unter Fässern und Gerberkisten.
»Sehr zwergisch«, schnaufte Lyriel anerkennend, während sie den letzten Gegner mit einem Tritt in den Staub beförderte.
»Sehr praktisch«, korrigierte Brimor, der schwer atmend die Axt aus dem Balken zog.
Einige Augenblicke standen sie keuchend zwischen den überwältigten Schlägern. Lyriel wischte sich den Staub von den Händen. »Nun«, sagte sie, »das war eindeutig keine heiße Spur. Nur ein hübsch gelegter Hinterhalt.«
Brimor starrte auf die am Boden liegenden Männer. »Jemand will uns von der Suche abhalten. Und zwar mit Nachdruck.«
Lyriel grinste, als hätte sie die Zeit ihres Lebens. »Na, das ist doch ein gutes Zeichen. Wir sind auf der richtigen Fährte.«
—–
Die Gassen waren wie gewohnt voller Menschen, doch Brimor spürte die Blicke. Er wusste, dass über ihn geredet wurde – der Zwerg, der just am Tag des Diebstahls angekommen war. Die Gerüchte wuchsen schneller als Schimmel in einem feuchten Keller.
Lyriel dagegen schien das nicht zu stören. Sie schlenderte mit verschränkten Armen neben ihm her, die Lippen zu einem spöttischen Lächeln verzogen. »Also, mein bärtiger Freund, nach der Prügelei in der Gerbergasse bin ich noch gespannter. Wer steckt so viel Mühe in eine falsche Spur, wenn nicht jemand, der wirklich etwas zu verbergen hat?«
»Oder jemand, der uns einfach nicht leiden kann«, brummte Brimor.
Sie ignorierte ihn. »Ich habe mir gestern die Buchungsliste der Gilde noch einmal angesehen. Weißt du, wer mir da aufgefallen ist?«
»Sag’s mir.«
© Kreative-Schreibwelt 2025-12-12