Das Verhörzimmer roch nach kaltem Rauch und nassem Leder. Brimor saß auf einem wackeligen Hocker, die Arme verschränkt, die Stirn gerunzelt. Ihm gegenüber lehnte der Hauptmann der Stadtwache an einem groben Tisch – ein Mann mit kantigem Gesicht und einem Blick, der wie ein Hammer auf ihn niederzuschlagen schien.
»Name?«, knurrte der Hauptmann.
»Brimor Schattenfels.«
»Beruf?«
»Händler. Also … Sohn eines Händlers.«
Der Hauptmann zog eine Augenbraue hoch. »Und was genau hat dich in unsere Stadt geführt, Zwerg?«
»Eine Lieferung. Edelsteine. Offiziell und ordentlich quittiert. Wollt ihr die Quittung sehen?« Brimor schlug mit der flachen Hand auf den Tisch.
Der Hauptmann betrachtete ihn mit müder Gelassenheit. »Belege sind leicht zu fälschen.«
Brimor sprang fast auf. »Fälschen? Bei meinem Bart, ich hab nichts gestohlen!«
»Beruhig dich«, knurrte der Hauptmann, »sonst denk ich noch, du willst etwas verbergen.«
Brimor biss die Zähne zusammen. Er hatte schon viele harte Geschäfte mit störrischen Zwergen erlebt, aber dieser Mensch brachte ihn in Sekunden aus der Ruhe.
»Die Tafel verschwand in der Nacht deiner Ankunft«, fuhr der Hauptmann fort. »Ein uraltes zwergisches Relikt. Und wer taucht auf? Ein junger, unerfahrener Zwerg, angeblich mit einer Lieferung, die niemand sonst gesehen hat. Passt doch wunderbar ins Bild.«
Brimors Wangen glühten. Er spürte, wie seine Hände zu Fäusten wurden. »Wenn ich ein Dieb wäre, würdet ihr nicht mehr mit mir reden, sondern meine Stiefelabdrücke im Staub suchen!«
Das Verhör wurde unterbrochen, als die Tür aufging. Lyriel trat herein, locker, als käme sie gerade aus einem Spaziergang.
»Oh, wie gemütlich«, sagte sie mit süßlicher Stimme. »Darf ich mich setzen, oder ist hier schon jemandem der Stuhl geklaut worden?«
Brimor starrte sie an. »Was willst du hier?«
»Nun, dein Schicksal hängt am seidenen Faden, Zwerglein. Ich dachte, ich helfe, es nicht abreißen zu lassen.« Sie warf dem Hauptmann ein charmantes Lächeln zu. »Lasst mich raten: Ihr wollt ihn einsperren, bis er gesteht? Und was, wenn er wirklich unschuldig ist? Dann hat der wahre Dieb Zeit, über alle Berge zu verschwinden.«
Der Hauptmann verzog den Mund. »Und was schlagt Ihr vor, Elbin?«
© Kreative-Schreibwelt 2025-10-24