Brimor Schattenfels und die Rubine #6

Kreative-Schreibwelt

von Kreative-Schreibwelt

Story

Glimm lachte leise – ein raues, fast resigniertes Lachen – und schüttelte den Kopf. Mit einer abwinkenden Handbewegung deutete er auf die verstreuten Kisten. »Du bist zu grün hinter den Ohren, junger Händler. Denkst du echt, ich bin ein simpler Dieb, der auf schnellen Reibach aus ist? Ich wollte die Rubine nie verhökern – ich wollte sie als Beweis benutzen!«

Brimor trat einen Schritt näher, kniff die Augen zusammen und fixierte Glimm. »Beweis? Wofür denn? Spuck’s aus, Glimm, oder du kriegst mehr als nur meinen Ärger zu spüren!«

Glimm lehnte sich zurück, ließ die Schultern sacken und starrte ins Dunkel der Kammer. »Ich …«, setzte er an, seine Stimme sank zu einem Flüstern, als würde er in alten Wunden wühlen. »Ich war mal ein angesehener Händler, genau wie dein Vater. Aber die Schattenfelser haben mich über den Tisch gezogen – sie haben meine Waren für’n Appel und ’n Ei gekauft und mich anschließend vor allen bloßgestellt. Alles, was ich hatte, haben sie mir weggenommen.« Sein Blick schweifte über die kaputten Kisten, als würde er dort nach Gespenstern der Vergangenheit suchen.

Brimor zog die Stirn in Falten und trat noch einen Schritt näher, seine Stimme wurde schneidender. »Und du dachtest, wenn du uns die Rubine klauen würdest, würdest du Gerechtigkeit kriegen?«

Glimm nickte bedächtig, die Verbitterung in seinen Augen war nicht zu übersehen. »Genau, Brimor. Diese Rubine sind mehr als nur Klunker – sie sind das Symbol meines Stolzes, meiner Ehre. Ich wollte sie als Beweis hochhalten, um zu zeigen, dass die Schattenfelser ihre Versprechen brechen und uns Händler ausbeuten. Ich bin derjenige, der ungerecht behandelt wurde, der Rache und Gerechtigkeit verlangt.« Seine Stimme zitterte leicht, als er weitersprach: »Ich war ein anständiger Kerl, aber sie haben mich zum Gespött gemacht – und ich schwöre, das passiert mir nicht nochmal!«

Brimor starrte eine Weile schweigend auf die rauen Felsen ringsum und spürte, wie sich in ihm ein Zwiespalt auftat. Einerseits waren die Rubine wichtig fürs Geschäft – und sein Vater würde ausrasten, wenn er von Glimms Beweggründen wüsste. Andererseits steckte in Glimms Worten ein Körnchen Wahrheit: Alte Fehden und Rufe nach Gerechtigkeit echoten immer wieder durch die Schattenfelser Höhlen.

Mit fester Stimme, aber einem Anflug von Mitgefühl, fragte Brimor schließlich: »Also, was willst du damit sagen? Willst du uns erpressen, damit wir deine Ehre wiederherstellen?«

Glimm beugte sich vor, seine Augen funkelten entschlossen. »Nein, Brimor. Ich will nur, dass die Wahrheit rauskommt. Ich will, dass du und deine Leute kapieren, was für ein Unrecht hier passiert ist. Die Rubine sind mein stummer Protest – und ich gebe keine Ruhe, bis das wieder geradegebogen ist.«

Die Luft war zum Zerreißen gespannt. Brimor merkte, wie sich sein Zorn mit Neugier mischte. »Vielleicht«, dachte er laut nach, »steckt in deinen Worten mehr Wahrheit, als ich zugeben will.«

© Kreative-Schreibwelt 2025-05-23

Genres
Science Fiction & Fantasy
Stimmung
Abenteuerlich, Herausfordernd
Hashtags