Glimm hob beschwichtigend die Hände, aber sein Blick blieb hart. »Vielleicht, junger Händler, vielleicht gibt’s noch ’ne Chance, die alten Wunden zu kitten. Aber sei gewarnt: Gerechtigkeit ist ein schmaler Grat, und manchmal muss man Opfer bringen.«
In der düsteren Stille der verlassenen Schmugglerhöhle wurde Brimor klar, dass mehr hinter dem Diebstahl der Rubine steckte – ein alter Schmerz, eine Fehde, die tief in der Geschichte der Schattenfelser verwurzelt war und endlich ans Licht musste.
Das schwache Licht in der alten Schmugglerhöhle ließ den Staub in der Luft wie winzige Geister tanzen. Umgeben von umgekippten Fässern, kaputten Kisten und zerfledderten Tüchern sah der Raum aus wie der Schauplatz alter, zwielichtiger Deals. Mitten in diesem Chaos standen sich Brimor und Meister Glimm gegenüber, ihre Blicke trafen sich im flackernden Licht der Öllampe.
Brimor machte einen entschlossenen Schritt nach vorn, sein Gesicht war ernst, aber in seinen Augen blitzte ein Funken Humor auf. Er strich sich mit seiner rauen Hand über den Bart und sagte: »Hör mal, Glimm, wir wissen beide, dass dieser ganze Zirkus hier sinnlos ist. Kämpfen? Nee, nicht mein Ding. Ich mache dir einen Vorschlag: Du gibst die Rubine zurück, und ich setze mich beim Ältestenrat für dich ein.«
Glimm zog eine Augenbraue hoch und grinste sarkastisch, während er nervös seine abgewetzten Lederhandschuhe knetete. »Ein Deal? Du willst mich wohl veralbern, was? Denkst du echt, ein Grünschnabel wie du kann mit mir Geschäfte machen? Weißt du, wie lange ich in dieser Schattenwelt festsitze, weil die mich über den Tisch gezogen haben?«
»Ich bin nicht wie diese alten, habgierigen Händler, mit denen du früher zu tun hattest«, erwiderte Brimor mit einem leichten, spöttischen Grinsen und schüttelte den Kopf. »Ich sehe nicht nur den Profit – ich sehe auch das Unrecht. Du hast uns nicht einfach beklaut, du hast eine alte Wunde aufgerissen. Aber statt uns die Köpfe einzuschlagen, lass uns das mit Grips regeln.«
Für einen Moment war es totenstill, nur das leise Tropfen von Wasser an der feuchten Felswand war zu hören. Glimm musterte Brimor, in seinen Augen flackerte kurz Zweifel auf, dann nickte er bedächtig. »Na schön, Brimor. Vielleicht hast du ja recht. Vielleicht ist es Zeit, dass die alten Wunden heilen. Aber vergiss nicht: Mein Stolz und meine Vergangenheit haben ihren Preis.«
Brimor grinste und streckte seine raue Hand aus. »Abgemacht, Glimm. Ich werde beim Ältestenrat ein gutes Wort für dich einlegen, damit sie deine alten Ungerechtigkeiten anerkennen und vielleicht wiedergutmachen. Aber du gibst mir jetzt auf der Stelle die Rubine zurück – alle, damit das Geschäft meines Vaters wieder läuft.«
»So soll es sein«, brummte Glimm leise und reichte Brimor eine kleine, abgenutzte Ledertasche mit den Rubinen.
© Kreative-Schreibwelt 2025-05-30