von Klaus Rafenstein
“Klaus, da musst du mitmachen!”
Das Samenkorn ist gestreut. Manu hat über 20.000,- Euro bei der Fernseh-Show gewonnen. In den Bewerbungsunterlagen wird nach Skurrilitäten in meinem Leben gefragt. Ich packe alles hinein. Die Rolle als britischer Lord im Bollywoodfilm, das Versenken der Yacht in der Adria, den ungeplanten Auftritt im Musikantenstadl und ein paar Leckerbissen mehr. Die Bewerbung fruchtet und es geht ins Studio. Den Glanz von Hollywood erwartend, lande ich in einem Liesinger Hinterhof. Zigarettenrauch paart sich mit Novembernebel. Die Wände bröckeln, die Raucher hüsteln. Wir Kandidaten frösteln uns im Vorbereitungs-Container dem Auftritt entgegen. Das Lampenfieber steigt. Mein Kontrahent ist Südtiroler. Professor. Doppelprofessor. In Geografie und Geschichte. Na so was brauchst als Quiz-Gegner!
Ich gehe in Führung und spüre, wie ein Schwall von Übermut die Endorphin-getränkten Schmetterlinge im Bauch durcheinander wirbelt.
“Welcher dieser 4 Seen in SĂĽd-Peru litt im Jahr 2004 unter einer schweren Algen-Plage?” Ich kann die Seen-Namen kaum aussprechen. Doppelprof weiĂź nicht nur die Antwort, er leitet sie sogar smart klingend her. “Weil es auf der SĂĽdhemisphäre im Norden wärmer ist, und Algen Wärme fĂĽr ĂĽppiges Wachstum brauchen, ist es der nördlichste See und das ist der Arequipa.“ Ich staune.
Spielabbruch. Es ist spät. Morgen drehen wir weiter. Ich fahre zu Karli auf ein Glas Wein. Er drĂĽckt mir zur Beruhigung das frisch geschlĂĽpfte Baby in die Hand. Es hilft. Der Wein auch. Nach der zweiten Flasche beginnen wir Quiz-Strategien zu entwickeln. “Nimm einfach immer ”B“ – “B” ist gut.
Diesen Tipp nehme ich am Morgen mit nach Liesing-Wood. Und mein Katerfrühstück. Der Doppelprofessor starrt ins Smartphone während er sein Chiasamen-Müsli zelebriert.
“Hast du gut geschlafen?” fragt er mich.
“Es geht. Und du?“
“Kaum geschlafen. Ich habe mich die ganze Nacht vorbereitet.”
“Ich mich auch.” denk ich mir und beiße herzhaft in mein Leberkässemmerl.
Wir liefern uns einen nervenkitzelnden Battle. Das Studio schwitzt. Wir auch. Ich versuche die wissenschaftliche Granitwand aus den Dolomiten zu brechen. Ich pokere hoch. Und verliere. Bei der dritten 10er Frage war es nicht “B” sondern doch “A”. Karli, wir müssen reden.
Der Doppelprof wirft mir ein Siegerlächeln zu. Ich schaue nach vorne. Und freue mich auf’s Schifahren. Mit Freunden. In SĂĽdtirol. Trotzdem.