von Klaus Rafenstein
Was zum Teufel ist das? Was steckt hinter diesem höllischen Brennen auf der Haut? Zahlreiche Teilzeit-Insulaner hatâs bereits erwischt. Alle anderen leiden mit den GequĂ€lten mit. Die Muster & Flecken auf BĂ€uchen & Armen schauen unterschiedlich aus, der geglaubte Grund ist derselbe: Sonnenallergie! Sie ist eindeutig das prominenteste GesprĂ€chsthema auf der beschaulichen Malediven-Insel. âBeim Reden komman dâLeut zsam.â Wie wahr, wie wahr. Der gemeinsame Feind eint. Cremen, Tuberln und Lotions werden hurtig getauscht. Auch mein Honey hatâs ausgefasst. âHonig & Aloe Vera helfenâ, sagt der Inselarzt. Sind wir zu sensitiv geworden? Oder die Sonne zu aggressiv? Oder liegt die Wahrheit wie so oft in der Mitte? Weit gefehlt!
Die AusschlĂ€ge werden heftiger. Wie SchĂŒttbilder von Nietzsche sehen die knallroten Feuermale auf den Armen, Beinen und BĂ€uchen aus. Das Jucken beinahe unertrĂ€glich. Als wir nach Ăberwinden der Warteschlange erneut dem Inselarzt unsere befleckten Körper zeigen, schĂŒttelt er ahnungslos unschuldig den Kopf. âNoch nie gesehen!â Misstrauen macht sich breit. Wir tippen auf Message Control – vom Management verordneter Maulkorb. Die wahre Ursache bleibt ein Geheimnis. Vorerst.
Die Frage quĂ€lt uns alle: „Was ist es?“ FĂŒr die geglaubte Sonnenallergie sind die Symptome zu heftig. Fast von jedem Liegestuhl geht ein Jucken aus, das Kratzen ist neben dem Handytippen die hĂ€ufigste InselbeschĂ€ftigung. Bilder der Rothaut werden in die Heimat versendet. An offizielle HautĂ€rzte. Auch an selbsternannte. Dermatologischer Supergau! Und ĂŒber allen Inselköpfen schwebt das Permanent-Fragezeichen: „Was steckt dahinter?“ Bedbugs? Die Matratzen am Balkon des Nachbarbungalows inklusive der RĂ€ucherung mit KammerjĂ€germontur gestern Nachmittag wĂŒrde dafĂŒr sprechen. Doch diese Erfahrung kennen wir aus dem letzten Griechenlandurlaub, Bisse der Bettbiester sehen anders aus. Kommt die Gefahr aus dem Wasser? Speien uns die Korallen beim Baden Gift entgegen? Als Revanche fĂŒr El-Ninjo? Die Lust aufs Plantschen ist vielen vergangen. Erste Faster starten die Nahrungs-Askese, womöglich liegtâs am Inselessen. Ist es das Gift vom Moskito-Mann? Jeden Tag rĂ€uchert er fröhlich in die MorgendĂ€mmerung hinein und nebelt gewissenhaft jeden Strauch in eine betörende Wolke. Vertragen wir womöglich das Insel-Waschmittel nicht? Röten uns HandtĂŒcher & Bettzeug so ungemein? Es gibt nur mehr ein Thema am warmen SandhĂŒgel. Der Inseltratsch quillt ĂŒber.
Nach 3 juckenden & beiĂenden Tagen des gemeinsamen RĂ€tselns lĂŒftet sich der Inselkrimi. Der Resort-Chef offenbart uns: Es ist die tropische Seidenraupe! Liebevoll haben wir sie eine Woche lang von unseren HandtĂŒchern geblasen und aus den HĂ€ngematten gehoben, wenn die schnuckeligen pelzigen Zeitgenossen zahlreich von den BĂ€umen gefallen sind. Erst jetzt erfahren wir, dass jedes der 600.000 HĂ€rchen pro Tier hoch toxisch und megajuckend ist. âDie Chemiekeule ist bereits mit dem Boot von der Hauptinsel Male zu uns unterwegs.â versucht uns der Resort-Chef zu beruhigen. Gemischte GefĂŒhle. Und starkes Jucken. Doch mit einem Silberstreif am Horizont. Wird nicht aus jeder Raupe einmal ein Schmetterling?