Der Flug

von Klaus Rafenstein

Ich bestelle noch einen Cuba Libre. Wenn man einen Business Class Flug fast geschenkt bekommt, dann sollte man das ausgiebig feiern. Ich habe keinen Bock auf Lockdown im heimischen Novembergrau.

„Mauritius“ – Da gehts mir ähnlich wie bei Namibia. Da ist der Name schon so rund und schön und ästhetisch und tropisch – da kann das Land gar nicht mehr enttäuschen.

Der Cuba Libre schmeckt. Der Wein auch. Weiß wie rot. Den Champagner heb ich mir für später auf. Als Betthupferl bevor es in die Horizontale geht. Ich lese das neue Buch von Johannes Huber. “Die Kunst des richtigen Maßes”. Während ich hier völlere. Ich finde ein Buch sollte inspirieren. Man muss nicht gleich alles umsetzen. Einen speziell schlauen Satz lese ich im Buch: „Das Tier achtet stets darauf, was es sich zuführt & mit wem es sich umgibt. Der Mensch sollte das auch tun.“ Ich schreibe es auf meine To Do Liste.

Als ich die Stewardess gefragt habe, ob ich zum Medium-Rare-Steak eine Portion Preiselbeeren haben kann, hat sie mich noch charmant aber verneinend angelacht. Als ich Hendhicks Gin mit Fever Tree Tonic bestellt habe, wollte sie mir auf die Stirn greifen, ob ich Fever hab. Als ich nun die Augenbinde mit der FFP-2 Maske verwechsle, schüttelt sie nur mehr den Kopf. Ich gönne mir noch ein Cola mit Rum.

Irgendwie fühle ich mich schon etwas kommunistisch. Mit so viel Cuba in mir. Glasnost & Perestroika leben hoch. Hoch! Meine Sprache ist beim Bestellen inzwischen von einem zarten russisch klingenden Akzent durchzogen. Wir zischen weiter mit über 1.000 Sachen wie eine überdimensional große Pistolenkugel durch den Afrikanischen Nachthimmel. “Flugzeug – Wunderding der Technik!” denke ich mir als ich mich in mein flauschiges Gemach lege.

Es ist ein erhebendes Gefühl, eine Triple Seven als Erstes zu verlassen. Ich führe die Entourage an, mit wehender rot weiß roter Cuvée-Fahne.

Ich fühle mich wie der Kapellmeister von Sankt Wolfgang am Samstagabend, wenn er seine Blasmusikkapelle unter frenetischem Applaus im Gleichschritt zum Hauptplatz vor der Kirche anführt. Lediglich der Taktstock fehlt. Gemeinsam stürmen wir auf das Immigration-Office zu und treffen auf zu Tode gelangweilte Officer. Sie quälen uns noch ein wenig mit überflüssiger Administration. Doch wie so oft in den letzten Monaten ist auch hier der richtige QR-Code das “Sesam öffne dich” für die Insel. 1.850 Kilometer vor der ostafrikanischen Küste gelegen. 4.000 Kilometer sind es bis Indien. Dazwischen Wasser. Viel Wasser. Perle im indischen Ozean. Hier grüßen sich Kokosnuss und Kreolen-Beat mit einem freundlichen High-Five.

Wir wollen rein ins Paradies!

Der Sand ist ein bisschen zu weiß. Das Meer ein bisschen zu türkis. Das Palmengrün ein bisschen zu intensiv. Und die Strände ein bisschen zu menschenleer. Aber alles in allem eine recht gute Kompensation für die strapaziöse Anreise.

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