Der ideale Österreicher – Teil I

SusiBock

von SusiBock

Story

Ich nehme es gleich vorweg: Den idealen Österreicher gibt es nicht. Den idealen Wiener schon gar nicht. Aber es gibt einige typische Eigenschaften, über die es sich zu erzählen lohnt, auch wenn sie weit davon entfernt sind, ideal zu sein.

Die Wiener sind grundsätzlich immer positiv, fröhlich und freundlich. Wer das nicht glaubt, soll zuhause bleiben. Im Ernst: Wenn Wiener fremde Menschen grüßen, geschieht das oft nicht aus purer Höflich- oder gar Freundlichkeit, vielmehr geben sie einem mit diesem barsch-knurrigen Ton und dem finsteren Blick, der mit einem solchen Gruß einhergeht, zu verstehen, dass man einen Fehler gemacht hat … man hat nämlich nicht vor ihnen gegrüßt.

Am Land oder besser in den Bergen ist man ab 1000 Metern über dem Meeresspiegel in Österreich automatisch per du. Das ist für viele gewöhnungsbedürftig, hat aber auch Vorteile, denn man sagt ja bekanntlich viel leichter „du Arschloch“ als „Sie Arschloch“, wenn einer einem auf die Nerven geht. Noch viel besser: Auf dieser Höhe sind alle gleich, ob man nun Postbeamter oder Bundespräsident ist.

Der typische Österreicher ist diplomatisch und weltoffen, ohne Vorurteile und tolerant. Er würde niemals einem Flüchtling ins Gesicht sagen, dass er sich zurück in die Heimat schleichen soll. Er mag es gemütlich und trinkt gerne Wein beim Heurigen [1].

Wenn er zu viel davon hat, fährt er trotzdem mit dem Rad, Auto oder auch Traktor. Beim Sport ist er sehr enthusiastisch, solange er sich dabei nicht bewegen muss – daher gibt es in Österreich auch 8 Millionen Fußballtrainer. Er geht gerne in den Bergen wandern, solange es einen Lift auf den Gipfel und eine Almhütte mit Erbsensuppe und Jagatee gibt. Er ist sehr geduldig, außer er muss auf sein Bier und seine Burenwurscht warten, da kann es brenzlig werden. Begegnet man einem Österreicher in Rage, legt man sich am besten flach auf den Boden und wartet, bis er ein anderes Opfer gefunden hat; häufig sind das öffentlich Organe wie Parksheriffs [2] oder Postler [3], aber auch Bus- oder Tramwayfahrer [4].

Besonders erwähnenswert ist die Eigenschaft der Österreicher, ihren Haustieren außergewöhnliche Namen zu geben: So traf ich einmal eine Hundebesitzerin, die ihren beiden Schützlingen die Namen „Herr Unger“ und „Herr Schober“ gegeben hatte – vielleicht nach ihren Ex-Männern, die sie nun nach Lust und Laune herumkommandieren konnte. Und einmal war ich Zeuge, wie ein Mann seinen Jagdhund „Presswurst“ rief, vielleicht hieß er so, vielleicht hatte er auch nur eine als Leckerbissen (und Codewort) dabei.

Weiter gehts in Teil II … :-)


[1] Weinschenke

[2] Dieser ist nicht etwa eine Aufsicht in einem Park, sondern jemand, der das ordnungsgemäße Parkverhalten kontrolliert

[3] Brief- und Paketzusteller derösterreichischen Post

[4] Straßenbahn

© SusiBock 2020-10-25

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