von Klaus Rafenstein
Egal ob aus Fallschirmseide, aus dickem peruanischen handgeflochtenen buntem Stoff oder minimalistisch aus einem Netz bestehend â erholsam und freudebereitend ist sie stets. Der Steinbock liebt es seiner Erdung einen Hauch Leichtigkeit zu verleiben. Was nehme ich mit in die HĂ€ngematte? Zuerst beginnt es mit dem Radarauge. Das Radarauge hab ich mir ĂŒber Jahre, wenn nicht Jahrzehnte antrainiert. Where is the place to baumel? Wo sind zwei feste Punkte zwischen denen ich sie spannen kann? Zwei Palmen? Ein Baum und eine Mauer? Ein Terrassensteher? Ein Fels der sich mit einem Seil umrunden lĂ€sst? Der KreativitĂ€t sind keine Grenzen gesetzt. Sie hing auch schon mal zwischen StraĂenlaterne und meiner AnhĂ€ngerkupplung. Doch nur mit den zwei Festmach-Punkten ist es noch lange nicht getan. Welches Ende Höher? Wo soll der Kopf sein? Welche Seite soll die sein, von der aus ich die Landschaft und meist die Weite erspĂ€he. Wie ist denn der Sonnenstand? Und wie wird er in einer, in zwei, oder in drei Stunden sein? Keine Lust auf Um-Montage. Daher gleich vorausschauendes Spannen. Wissenschaft HĂ€ngematten-AufhĂ€ngen.
Wenn sie dann mal baumelt, und ich darin, dann ist die Frage nach den nĂŒtzlichen Utensilien fĂŒr einen vergnĂŒgten Aufenthalt darin gerechtfertigt. Das Buch zum Lesen, manchmal auch zum MĂŒdemachen. Den Polster fĂŒr den mĂŒden Kopf. Die Flasche mit dem Wasser gegen den Durst. Das gute GefĂŒhl steigt sowieso freiwillig mit hinein. Auf keinen Fall fehlen dĂŒrfen der zufriedene Grinser im Gesicht, gelegentlich Musik im Ohr, die schĂŒtzende Sonnenbrille, die Freiheit im Kopf, Leichtigkeit im Herzen und natĂŒrlich: DU!
Peter Cornelius Lied âReif fĂŒr die Inselâ summt mir im Ohr herum. âWenn I so ĂŒberleg, worumâs im Leben geht…â lautet seine erste Textzeile. FĂŒr mich ganz klar. Genau darum. Um Momente wie diese. Mit dir im geschĂŒtzten Konkon der HĂ€ngematte im Gleichklang zu schwingen, von links nach rechts, von rechts nach links, und danach wieder zurĂŒck. Du liegst auf mir und wir schauen in die selbe Richtung, Richtung Horizont, dort wo der hellblaue Himmel vom dunkelblauen Meer durch eine exakt gezogene Linie getrennt wird. Wir hingegen spĂŒren Verbundenheit. Meine Fingerkuppen gleiten sanft ĂŒber deine Haut. Wie wenn ich Seidenpapier glattstreife, nur dass es nichts glattzustreifen braucht. Bereits alles wunderbar weich. Genussvolle BerĂŒhrungen. Die Insel ist nicht groĂ, das Abgeschiedenheits-GefĂŒhl dafĂŒr umso gröĂer. Als wĂŒrde das Meer zwischen uns und dem Festland Sorgen, Ăngste und Bedenken fernhalten. Wie Ă€ngstliche wasserscheue Mini-Kreaturen halten sie zögerlich am Festland ihre Zehen ins Wasser um sofort zurĂŒckzuzucken, sobald sie mit dem kĂŒhlen Nass in BerĂŒhrung kommen. Gut so. Wir brauchen sie nĂ€mlich nicht. Weder in der HĂ€ngematte, noch in unserem Leben. Kraftvoller Moment. So soll es sein, so darf es bleiben.