Es war einmal eine kleine Wohnung in einem riesigen Mietshaus in einer noch riesigeren Stadt. Hier lag in einer Nacht Felix in seinem Bett. Es war sehr spät. Aber Felix fand keinen Schlaf. Als dann der Schlaf ihn gefunden hatte, wurde er von einem lauten Lachen aufgeschreckt. Vielleicht schaute seine Mama im Nachbarzimmer eine Gameshow und das Lachen kam von da. Also stand er auf und tappte im Dunkeln in das andere Zimmer. Der Fernseher war aus. Seine Mama war wohl schlafen gegangen. Er kehrte ins Kinderzimmer zurück und legte sich wieder in sein Bett. Kaum hatte er sich zugedeckt, da lachte es wieder. Diesmal knipste er das Licht an. An der hellblauen Wand ihm gegenüber entdeckte er eine kleine, schwarze Spinne. Wieder dieses garstige Lachen. Ganz tief und spöttisch. Felix erkannte, dass die Spinne lachte. Denn es kam aus ihrer Richtung und sie zitterte dann leicht. „Warum lachst du, Spinne?“, fragte er. „Ich muss schlafen!“ Da entgegnete die Spinne: „Mir ist alles komisch haha! Mir ist alles komisch haha!“ „Warum ist alles komisch?“, fragte Felix. „Ich finde keine Fliegen mehr. Seit Wochen gehe ich hier um, aber die Menschen haben alle Fliegen vertrieben oder getötet. Mit Fliegengittern und Gift.“ Obwohl die Spinne Felix störte, tat sie ihm doch leid. Also verbrachte er die nächsten Tage und Wochen damit, mit einem großen Einmachglas durch den nahen Stadtwald zu wandern. Hier fing er jede Menge Fliegen und brachte sie der Spinne. Die lachte immernoch, aber viel freundlicher als zuvor. Sie verlangte immer mehr und wurde immer dicker. Eines Tages fiel sie von der Wand, weil sie ihr Gewicht dort nicht länger halten konnte. Mit einem lauten Knall stürzte sie zu Boden. Sie war inzwischen so groß wie ein Basketball und wenn sie zwei Beine aneinander rieb, klang es wie eine Bürste, die über raues Leder streicht. Überall in seinem Zimmer verteilte sie ihre dicken Spinnweben und lachte: „Wie schön haha!“ Diese Arbeit erschöpfte die Spinne so sehr, dass sie nachts an Felix’ Bettende durchschlief und ihn nicht mehr weckte.
Eines Tages entdeckte auch seine Mama die Spinne und brachte den Staubsauger herbei. „Nein“, sagte Felix. „Sie ist mein Freund!“ „Diese ekelige Spinne?“, fragte seine Mutter. „Das ist gemein haha“, sagte die Spinne. „Entschuldigung“, sagte die Mama. „Du hättest ja sowieso nicht in den Staubsauger gepasst. Willst du mit uns frühstücken?“ „Ja haha!“
Die Spinne saß mit ihnen am Tisch, vor ihr ein Teller Fliegen. Sie schlang regelrecht. Dann waren sie fertig mit dem Essen. „Spinne, heute machst du den Abwasch. Du hast immerhin acht Arme!“, sagte Felix.„Aber ich bin müde haha“, sagte die Spinne und suchte sich einen sonnigen Platz vor der Balkontür. Dort legte sie sich auf den Rücken und ließ ihren Bauch von den warmen Sonnenstrahlen bescheinen. Da dachte Felix: Man sollte anderen helfen, aber irgendwann reichts. Also stülpten er und seine Mama eine riesige Glasschüssel über die Spinne und trugen sie unter größter Mühe hinaus.
© Markus Gottschall 2021-07-03