Family Paradise Island

von Klaus Rafenstein

“Was kannst empfehlen?” “Der Reis is gut” sagt Bruder Richard und schreitet zum ĂĽppigen Abendbuffet. Diesen FrĂĽhling verlegen wir unser internationales Familien-Treffen in den SĂĽden. Hurghada. Kiddies-All-Inclusive Club. Schwägerinnencousine Iulia ist aus Bukarest angereist. Sie war Model. Bis vor einem Jahr. Jetzt ist sie zu alt, meint sie. Am Samstag feiern wir ihren 27. Geburtstag. Neben Japanisch spricht sie 4 Sprachen flieĂźend. Sie ist Diplomatin und lernt fĂĽr ihre AttachĂ©-PrĂĽfung. Am Strand möchte ich ihr ein paar österreichische Diplomaten-Tipps geben. Sie meint, das wäre Korruption. Sagt mir die Rumänin. Beim Abendessen fragt mich Iulia, ob ich der Meinung bin, dass sie eine Brustvergrößerung braucht? Jo mei, wo’s sogstn do drauf? Doch noch während ich ĂĽber eine konziliante Antwort nachdenke, meint sie selbst: “I think it will support my diplomatic career!” Ich finde sie sehr humorvoll. In diesem Moment kommen mir erstmals die Tränen vor lachen. Um 10h morgens bringt Kellner Somu 10 Bier zu unseren Strandliegen. Ich blicke mich um. Nico, Richard und ich. “We didn’t order them!” weise ich den Kellner zurecht. Nico und Richard haben schon eine Woche Vorsprung. “Des passt scho Klaus, des is unser Morgen-Programm. Please bring 5 more beer, today we are 3!” werden der Kellner und ich aufgeklärt. Wir mĂĽssen uns beeilen. Der Fahrer biegt links ein auf eine Sandpiste. Vorbei an verwitterten Betonresten, alten LKW-Reifen und verrosteten Autoleichen. “Where do we go?” fragt mein Bruder den Driver. “To the Boat” “Aha, because here it looks like a place, where you bring people to shoot them in the head…” “Why you know? You are Mafia?” “Yes! Drugs, Weapons, what do you need?” “Nothing, have plenty of them!” Ich mag des Bruder’s Humor. Und den vom Habibi. Bei Windstärke 12 auf der 10-teiligen Skala fährt fĂĽr gewöhnlich niemand freiwillig aufs offene Meer. Doch wenn fĂĽr das Chartern der Familien-Yacht schon hunderte Flocken geflossen sind, dann gibt’s kein ZurĂĽck. Als wir zur BegrĂĽĂźung Limetten-Spalten in die Hand gedrĂĽckt bekommen, freuen wir uns nach den Bieren auf die erste Runde Tequila am Morgen. Der Matrose enttäuscht uns: “It’s for your stomach. That you have to vomit later.” Betroffene Gesichter. Als Intervall-Faster & FrĂĽhstĂĽcks-Auslasser flackert in mir ein Funke Hoffnung auf. Wir werfen am Sonnendeck die mitgebrachte Musikbox an. Bei “Anton aus Tirol” bildet der Kapitän Runzeln auf seiner Stirn. Als wir zu “Auf der Bruck Trara” schunkeln, greift er zum Funkgerät. Ich vermute, er kontaktiert den Psychiatrischen Notdienst. Man möge uns beim Anlegen vorsichtig in Empfang nehmen. Paradise Island empfängt uns. Mit schattenspendenden Stroh-Umbrellas. Vor uns das Rote Meer. Meist ist es azurblau. Heute glitzert es maledivisch tĂĽrkis in der Afrikanischen Sonne. Die Babies schlafen im Schatten. Die Erwachsenen auch. Oder sie picknicken. Und lachen. Das Leben ist schön. Good Vibes at the Beach.

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