von Klaus Rafenstein
Es gibt PlĂ€tze, die sind schön aber steril und herzlos. Es gibt schĂ€bige PlĂ€tze, die geballte Herzlichkeit in sich tragen. Und es gibt dich. Die Badewiese. Keine Bezeichnung, sondern dein offizieller Name. Du bist schön. Naturschön. Wildromantisch. Und Jemand haucht dir bei Sonnenschein tagtĂ€glich gute Schwingungen ein. Dieser Jemand heiĂt: Flo. Voriges Jahr hast du mich bei meinem ersten Badewiesen-Besuch spontan mitgenommen auf ein Schiff. Dort hat einer deiner Freunde mit DJ & Buffet seinen Abschied gefeiert. Auf zur Weltreise. Mit Frau und Kindern. Du hast mich behandelt und vorgestellt wie einen guten Freund, obwohl du meinen Namen nicht mal wusstest. Schon damals: Nette Leute & Good Vibrations allarround. Mein Motorrad-Ausflug heute fĂŒhrt mich wieder an diesen Happy Place. Die Abendsonne steht tief, doch es ist warm. Ich schaue den Neusiedlersee-Tropfen zu wie sie nach dem erfrischenden Bad auf meinem Bauch trocknen. Ich bekomme Hunger und wandere in deine Feelgood-Area. Du kommst gerade von deiner GĂ€ste-Tour retour an die Bar. Ein SpĂ€Ăchen hier, ein schlauer Sager dort, hin und wieder eine wĂŒrzige Prise Lebensweisheit im Vorbeigehen vergieĂen und wenns was abzurĂ€umen gibt, dann packst du an. Deine Kite-SchĂŒler folgen dir genauso hierher wie viele andere gutmĂŒtige GenieĂer es auch tun. Wir beginnen zu plaudern. Ich mag Unterhaltungen mit dir. Dein Konzept hast du ĂŒber den Winter und den Shutdown weiter ausgegoren. Biologisch. Nachhaltig. Schmackhaft. Steckerlfische. Nur Forellen und Saiblinge.
„Warum keine Makrelen?“ frage ich. „Die kommen nicht aus Ăsterreich. Das wĂŒrde nicht passen.“ klingt es logisch retour. âWeiĂt du, in Wahrheit mach ich das, um mir das Arbeiten am schönsten Platz der Welt leisten zu können. Mein Ansinnen ist es, dass tolle Leute hierherkommen und sich einfach wohl fĂŒhlen. Die da hinten, die Tischtennis spielen genauso wie die da vorn in den Sesseln und auf den BĂ€nken. Alle sollen sich wohlfĂŒhlen, dann bin ich glĂŒcklich. Und der Chris und ich, wir grillen Fische bis ma an grauen Bart haben.“ sagt Flo, wĂ€hrend er sich seinen grauen Bart krault. „Schau dir meinen Grillbaron an, mit welcher Leidenschaft der das macht. Oft hab ich das GefĂŒhl, die Fische legen sich freiwillig fĂŒr ihn auf den Grill.“ Ich schnappe mir meinen gegrillten FreigĂ€nger und setze mich mit Grillfisch & Soda-Zitron an einen der urigen Tische. Die Sonne hat sich inzwischen hinter das Leithagebirge verabschiedet und sorgt von dort aus fĂŒr ein fulminantes Abendrot. Die Welt ist schön. Gleichklang & Einklang in mir und um mich herum. Plötzlich verstummen die Reggae-Beats aus den Lautsprechern und Flo ruft in die Runde: „Speastuund! Speastund is! Olle hamgeh!“ Verwirrte Menschen wenden ihm in seinem Food-Truck mit verstörten Blicken die Köpfe zu. Ausser die, die ihn kennen. Die grinsen vor sich hin. Denn kurz darauf korrigiert er mit dem Ruf: „Woa nur a SpaĂ! Trinkts weida!“ Welch tollen Spirit du dem Platz vermachst!