von Klaus Rafenstein
âYou wanna taste a real maldivian coffee?â schauen mich die begeisterten Augen von Ombdu an. Ich kann seinem Enthusiasmus nicht widerstehen und nicke. Ăber 20 Minuten verteilt wĂŒrge ich das cremige Etwas mit dem sonderbaren Geschmack hinunter, zahle und gehe zum Public Viewing. Die WM-Eröffnung ist das Highlight am Dorfplatz. Nach der Pleite des Gastgebers wĂ€hle ich am Retourweg bei Ombdu den sicheren Hafen und bestelle einen, den wahrscheinlich hundertsten, Passion Fruit Daiquiri. âKlaus, how was the coffee?â
âInterestingâ antworte ich diplomatisch. âI am so sorry, but you know that we are just starting into the season. I found out, that the milk was from last seasonâŠâ
Ich sehe mich vor meinem geistigen Auge die nĂ€chsten 2 Tage ĂŒber der WC-Muschel hĂ€ngen, wie damals nach der sauren Hengstmilch in der indischen WĂŒste Thar.
Es reicht! Nach einer Woche local vibes auf der Einheimischeninsel samt all seinen Entbehrungen ist das Fass voll. Ich scrolle durch die Bewertungen der umliegenden Insel-Resorts. Nika Island klingt gut. Den einzigen Kritikpunkt, den eifrige Rezensionisten immer wieder anbringen, ist der âDuftâ des Moskito-Pestizides, welches jeden Morgen das Verlassen des Bungalows fĂŒr rund 15 Minuten unmöglich macht. Das ist Engelsmusik in meinen Ohren und ich drĂŒcke den Buchen-Knopf! Als ich von meinen verschwollen-zerstochenen Beinklumpen hochblicke, sehe ich den Silberstreif am Horizont ĂŒber Nika Island. Es reicht mit local, I choose global!
Beim Check In krallt sich das Boris Becker Double Jens neben mir ans Rezeptionspult und fragt, in welcher Bar die WM-Spiele ĂŒbertragen werden? âNot at all! We are a honeymoon resort.â blickt die Empfangsdame Myra kurz von meinem Pass hoch. Sein innerer Verfall ist von auĂen recht gut erkennbar. Seinem Honey hingegen kann man die Erleichterung ansehen, das sĂŒffisante LĂ€cheln kann sie nur schwer verbergen.
Ich frage, warum die Uhren hier auf der Insel nochmals um 2 Stunden vorgehen, entgegen der Zeitzone in der wir hier sind. âBecause we are differentâ lĂ€chelt mir Myra zu. Auch eine Möglichkeit, um sich zu unterscheiden.
Paolo, der Resort-Besitzer aus Rom, stellt sich vor und reicht mir die Hand. âDid you say Hello or Congratulations to our victory?â frage ich ihn, wĂ€hrend ich das Lachen nur schwer unterdrĂŒcken kann. So oft in der FuĂballgeschichte gewinnt Ăsterreich nicht gegen den Europameister, als dass man diesen Umstand unerwĂ€hnt lassen könnte. Ich spĂŒre die Leichtigkeit in unserer Verbindung und freue mich auf die Woche auf seiner Insel.
Hinter mir hat inzwischen das Shooting des Tages begonnen. 2 Jet Set Instagram-BrÀute haben sichtlich Spaà am gegenseitigen in Szene setzen. WÀhrend sich die prallen Rundungen frisch eingeölt Richtung Sonne wölben, frage ich mich, auf wie viel Millionen Server all die Billionen Fotos der kurvenreichen Körper landen?
Egal, ich ziehe in meine Beach Villa ein und sehe mir mein LieblingsgemĂ€lde an â den Horizont!