von Klaus Rafenstein
Kloster Pernegg. Tiefstes Waldviertel. Hier frisst nicht einmal der Fuchs den Hasen, weil er sonst alleine wär. Großes Service für meinen Körper. Jungbrunnen Fasten. Kein Handy, Kein Radio, Kein Fernseher, Kein Essen. Dafür: Viel Zeit! Das Flackern der bedacht angezündeten Kerze erhellt die Zeilen von Eckart Tolle’s Buch „Jetzt“. Das richtige Buch zum richtigen Zeitpunkt. Von den Wüsten & Meeren da draußen in dieser Welt habe ich bereits genug gesehen. Diesmal geht die Reise nach innen. Weit nach innen. Einkehr bei mir selbst. Oft kommt mir das Leben vor wie ein Fluss, in dem wir stehen. Das Wasser zieht an uns vorbei. Und wenn wir genau hinsehen, dann können wir weiter flussabwärts unser zukünftiges Ich sehen, das uns mit offenen Armen entgegensieht und neugierig ist, was wir ihm zukommen lassen. Oft kacken und pinkeln wir ins Wasser und haben die verrückte Hoffnung, dass unser zukünftiges Ich etwas Schönes & Duftendes abbekommt. In dieser Woche flechte ich ein wohlriechendes Blumenbouquet, welches ich meinem zukünftigen Ich schenke. Glaubersalz als Abführmittel zum Fastenstart kannte ich bereits. Doch als uns der emsige Fastenleiter Manfred am zweiten Abend die Technik des Do It Yourself Einlaufs erklärt, öffnen sich all unsere Augen sehr weit und ich wanke zwischen lachen und weinen. „Ich fahr ins Kloster fasten“ hab ich in den Tagen vor meiner Abreise verlautbart. „Was machst du dort genau?“ wurde ich des öfteren gefragt. „Weiß ich nicht so genau, ich lass mich überraschen.“ war meine Antwort. Nun halte ich fassungslos mein Überraschungs-Kit namens Irrigator in Cellophan verpackt in der Hand und weiß, was ich außer nichts essen hier tun werde. Am Zimmer auf der gedachten Yogamatte, die sich als Einlauf-Matte entpuppt, im Vierfüsslerstand verharren, während ich mir das Darmrohr sanft in den Allerwertesten schiebe. Doch wer mit 18 im Heeresspital eine rektale Prostata-Untersuchung eines besoffenen Militärarztes über sich ergehen hat lassen, für den ist die selbstveranstalte Darmspülung ein Klacks. Gesagt getan! Die Prophezeihungen bewahrheiten sich. Mit sauberen Eingeweiden fastet es sich gleich doppelt so leicht. Es fühlt sich an, als hätte dieser Vorgang nicht nur eine körperliche, sondern auch eine mentale Reinigung nach sich gezogen. Wie wenn schlechte Gedanken aus dem Kopf und negative Emotionen aus dem Körper gespült worden wären. Es folgen besinnliche Tage der Reduktion & Stille. Wanderungen durch Wälder und über Felder dürfen genauso wenig fehlen wie das Mittags-Schläfchen unterm Zwetschkenbaum. Mit täglichen Workouts verbrennen wir die Kalorien, die wir nicht zu uns nehmen. Fettdepots schmelzen, Energie wächst. Nach 8 Tagen: Fasten-Ende! Wie lange werden das gute Gefühl & die guten Vorsätze Bestand haben? Für immer? Oder werden sie sich verwehen wie die Pusteblume im nächsten Wind? Das Leben wird’s zeigen. Inzwischen freut sich mein zukünftiges Ich auf das duftende Blumenbouquet.