Lagerfeuer GesprÀche

von Klaus Rafenstein

Meinem prolligen Drang nach Cola-Whiskey darf ich heute nicht nachgeben. Gerade mal das Cola-Glas neben deinem edlen Whiskey duldest du. Den Fauxpas des ZsamschĂŒttens leiste ich mir heute aus Respekt vor deiner hochprozentigen RaritĂ€ten-Sammlung nicht. Ich rauche nicht. Die gemeinsame Zigarre heute Abend im Mondenschein auf deiner Terrasse verbindet. Wir unterhalten uns ĂŒber das Fußball WM Finale 1990, das wir in unserem ersten gemeinsamen Feriencamp am Mondsee erlebt haben. Und als wir bei Flaute mit den Motorbooten vor KĂ€lte bibbernd von unseren verendeten Surfboards gerettet wurden. Wir denken an den Zimmerkollegen, der 10 Jahre spĂ€ter in Kolumbien ermordet wurde.

Ich lege ein Holzscheit im Lagerfeuer nach. “Nimm ein paar schimmelige Briketts! Die sind nass geworden, die mag ich drinnen im Kamin nicht mehr verheizen.“ Sie und das Gartenzaunholz wĂ€rmen uns in dieser kalten rumĂ€nischen MĂ€rznacht mit Blick auf Cluj. Wir schauen auf das Funkeln der Stadtlichter. Die Dunkelheit hat ihren kaschierenden Mantel ĂŒber die City ausgebreitet und verwandelt BausĂŒnden in eine beeindruckende nĂ€chtliche Skyline.

Ich mag deine neue Heimat. Zwischen uns liegt fĂŒr gewöhnlich eine große Entfernung. Doch es sind nur Kilometer. Momente wie diese lassen uns nĂ€herrĂŒcken.

“Mit jeder Stunde am Smartphone stirbt ein Abenteuer im Baum.” Wir ergĂ€nzen uns gegenseitig bei den Abenteuer-Anekdoten unserer Kindheit unter freiem Himmel. Möge dein Sohn Ă€hnliche erinnerungswĂŒrdige Abenteuer gegen Stunden vorm Smartphone tauschen. Ich wĂŒnsche es ihm. Ich wĂŒnsche es mir. Wir schmieden PlĂ€ne, wie wir ihn in die Kunst des Lagefreuermachens, Baumhausbauens und Zeltens einfĂŒhren werden. Handywischerei & Apps werden dabei unsere Konkurrenten sein.

Der Gewichtsverlust meiner 1 wöchigen Saftkur schmilzt mit jedem köstlich zubereiteten Mahl hier. Das erste BBQ des Jahres ist ein Gedicht. Das Bauchfleisch brutzelt am handgeschmiedeten Grillrost. Ich genieße jeden Zentimeter Bauchumfang, den mir der Aufenthalt bei dir beschert. Wenn schon zum FrĂŒhstĂŒck der Prosecco perlt, sich die Tische biegen und die WeinfĂ€sser leeren, dann egalisiert sich so eine Fastenkur im Handumdrehen. Egal! Es ist die richtige Zeit, um aus dem Vollen zu schöpfen.

Die Gedanken ĂŒber Papa’s Tod lassen uns kurz glasige Augen bekommen. Stiller Blick ins Lagerfeuer. Sein Spirit lebt weiter. Mit Geschichten, Anekdoten und Gewohnheiten, die wir an die nĂ€chste Generation weitergeben. Nicht alles davon macht Sinn. Semmelknödel, Semmelnknödel oder Semmelnknödeln? Es war nur eine der unzĂ€hligen Mittagstisch-Diskussionen. Die Lösung fĂŒr den Mythos haben wir bis heute nicht gefunden. Wird dein Sohn Dominic diese Frage auch mit seinen Kindern am Mittagstisch ventilieren? Tradition ist nicht das Verwalten der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers. Das tun wir. Ganz besonders die letzten 3 Tage. Morgen geht’s heim. Danke fĂŒr diese Stunden Bruder!

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