MAMMA MIA Skopelos

von Klaus Rafenstein

Die Stimme der Stewardess verstummt aus Ehrfurcht vor einem der gewagtesten Anflugmanöver der zivilen Luftfahrtgeschichte. Die weltweit gefĂĽrchtete Piste von Skiathos breitet sich vor uns wie ein schmaler Teppich zwischen GebirgszĂĽgen aus. Die Streif fĂĽr Piloten. Nur die ganz erfahrenen dĂĽrfen hier landen. Und unserer. Wie eine Libelle im heiĂźen Luftstrahl eines Föns wirbelt es unsere Boeing durch die Luft, bevor wir ruckelig am griechischen Inselidyll aufsetzen. StĂĽrmischer Applaus lässt den Touri-Bomber tosen. Die Konfettis & Papierschlangen bleiben an den schweiĂźgebadeten Stirnen kleben. Während der Ăśberfahrt auf Skopelos rätseln wir, ob wir mit dem Natura Resort einen Nudisten Hot Spot im Voraus gebucht haben oder nicht? Wir haben GlĂĽck und dĂĽrfen bekleidet einchecken. Und es bis zum Ende unseres Aufenthalts bleiben. 14 Jahre ist es her, seit dem Meryl Streep und Pierce Brosnan hier vor der Kamera zu Abba-Songs getanzt haben. Wir saugen den Mamma Mia Spirit der Insel auf, während wir das Moped die Schlangenlinien unter uns der KĂĽste entlang gleiten lassen. “Warum ist hier am bezaubernden Milia Beach nichts los, während 4km weiter am Kastani Beach kaum ein Quadratmeter Kiesstrand unbemannt ist?”, fragen wir Papoleus. “Because here they did no shooting” und deutet stolz auf das Pierce Brosnan Foto hinter sich. “But anyway, I met him personally.” Nach der ersten bekleideten Nacht fordert uns das morgendliche Workout am Meer gewaltig. Unserem FrĂĽhstĂĽckswirten im Hafen-Cafe von Loutraki räumen wir die Vitrine leer, der Smoothiemaker läuft auf Hochtouren und sein Kassensystem, eine Rarität in Griechenland, beginnt bei unserer galaktischen Bestellung zu qualmen. Heimlich pfeift er “Money, Money, Money”, schwenkt dann zu “The Winner takes it all” und während er unterm Tresen heimlich den Seychellen-Urlaub bucht, haucht Fernando seiner Aphrodite ins Ohr: “I have a Dream…” Sie beginnt zu grinsen und ihre Augen zu leuchten, als sie im Takt zu “Slipping through my fingers” die Goldbarren in die Adidas-Reisetasche klimpern lässt. Aus den Radio-Lautsprechern tönt “Honey, Honey“ als wir in das saftig-triefende Baklava beiĂźen. Wir verdauen das FrĂĽhstĂĽck am Rooftop-Pool. Feiner Ausblick auf glitzerndes Wellenblau. Ein WohlfĂĽhl-Adlerhorst in luftiger Höhe mit skurrilen Akteuren. Der kleine Italiener im Danny Devito Stil ähnelt einem zu Mensch gewordenen Dackel. Haare so weit das Auge reicht. Als er aus dem Becken steigt, zieht er einen Wasserschleier hinter sich her, der gleichmäßig von seinem Fell abrinnt. Der Poolfilter sieht die haarsträubende Verstopfung auf sich zu kommen und schreit panisch “SOS”! Ein in die Jahre gekommener Dampfer tuckert unter dem Kommando seines Kapitäns am Horizont entlang und pfeift dabei aus dem letzten Loch. Mit seinen Rauchwölkchen malt er “Our last summer” in die Luft. Nach 10 herrlichen Tagen: Heimflug! Wie war’s? “Super Trouper!” Und: “Thank you for the music.“

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