von Klaus Rafenstein
âBest Food on the whole Southcoastâ schwĂ€rmt Yiannis mit Glitzern in seinen Augen und Sabber um seinen Mund. WĂ€hrend des Wanderns die letzten 6 Tage entlang der SĂŒdkretischen KĂŒste war stets unser Hunger der beste Koch. Toll, wenn nun der Koch mit dem Löffel in der Hand auch ein Guter ist.
Der Weg zu Manolis Taverne fĂŒhrt ĂŒber Stock & Stein. FĂŒr den Wanderschuh gerade noch schaffbar, fĂŒr das Mietauto fast nicht mehr. Die Bodenplatte kracht, der StoĂdĂ€mpfer schwitzt. Schweigen als wir aussteigen. Bis auf den KĂŒhler, der keucht. Und die Zirkaden, sie grillen in der Mittagshitze.
âManolis Tavernaâ steht auf dem vergilbten Schild geschrieben. So sieht also griechisches Inselparadies aus. WĂŒrde es nur Brot & Wasser geben, wir blieben trotzdem. Unser StandardmenĂŒ seit ĂŒber einer Woche sind Tsatziki & Griechischer Salat. Da kannst nicht viel falsch machen. Doch als die Seafoodballs nun auf unseren Zungen zu schmelzen beginnen und der Melanzani-Salat den Gaumen frohlockend Sirtaki tanzen lĂ€sst, da wissen wir: Hier sind wir richtig!
Behutsam hebe ich die HĂŒhnerkeule an und habe Angst, dass das zartrosa Fleisch bei einer zu ruckartigen Bewegung schon auĂerhalb des Mundes vom Knochen fallen könnte. Mein Magnum gestern Nachmittag habe ich Ă€hnlich genĂŒsslich vom Holzstaberl gelutscht, wie ich nun den Knochen vom Lamm befreie. Der Wein. Ach, der Wein! Champagner als vergorenen Sprudelsaft zu nennen kommt der Bezeichnung fĂŒr diesen himmlischen Nektar gleich: âHausweinâ nennen sie ihn. SchĂ€ndlicher Name fĂŒr göttliches Nass.
Der Wirt hier hat Geschmack. Auch beim Personal. Ich folge dem Catwalk-wackelnden Po der Kellnerin bis zur Theke und frage, wer hier der Koch ist?
âManolis!â ruft die dunkle Schönheit mit rauher sĂŒdlĂ€ndischer Stimme in die KĂŒche und wirft ihre Gabriela Sabatini MĂ€hne ĂŒber die linke Schulter.
Es erscheint ein zierliches grauhaariges MĂ€nnchen mit unterwĂŒrfig gesenktem Kopf. Die KochschĂŒrze ist farbenfroh mit bunten Saucen-Kleksen verziert.
âYes Mister!?â hebt er den Kopf und blickt mich verlegen an.
âHello Manolis! I wanted to get you to know as I really love your cooking!â
âYou like it?â
âYes!â
âThanks. Goodbye.â Er dreht sich um und verschwindet wieder in der KĂŒche.
So ĂŒppig seine Speisen, so karg seine Worte.
Egal, ich komme trotzdem wieder.