liest Lea, auf einem über der Autobahn angebrachten Schild, als sie mit ihrem Traumraumschiff unterwegs ist. ‚So ein frommer Spruch!‘, denkt sie. ‚Und passt genau in diese Jahreszeit.‘ Mitte November. Nebelgrau. Kälte. Kurze und immer kürzere Tage … Gerade als sie den Spruch las, war sie ein Stück weit bei Sonnenschein unterwegs; hatte sich so sehr gefreut darüber. War aber nach wenigen Kilometern wieder eingetaucht, ins Nebelgrau…
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Lea hat etliche Termine, an diesem Tag. Ein sehr dicht gedrängtes Programm mit nur kurzen Pausen. Aber sie ist zuversichtlich jetzt, dieses gut bewältigen zu können. Mit dem Licht, das mit ihr ist und sie begleitet.
Auch in jenem Café, das Lea um die Mittagszeit für ein Meeting aufsucht, denkt sie an diesen Wunsch: Möge das Licht mit dir sein! Irgendwie sind es allein diese Worte, die ihr Gemüt erhellen. Ja, natürlich, es ist dies auch ihr eigenes Bestreben, alles daranzusetzen, dass das Licht mit ihr sein möge. Sie möchte das sehr gerne. Unbedingt, eigentlich. Und hier, in diesem eher düsteren, abgewohnten Café weht sie nun der Duft von Lilien an: Auf einem kleinen Tischchen in der Mitte des Raumes steht ein wunderbarer Strauß weißer Lilien und duftet … Auch das ist Licht, für Lea: der zauberhafte Duft ihrer Lieblingsblumen.
Es ist ihr recht, dass die anderen ein wenig auf sich warten lassen.
Sie sitzt einfach nur da, denkt an den turbulenten Vormittag: an die Sicherheitsvorkehrungen in dem Amt, das sie aufsuchte: ein Blick in ihre Tasche, ein Durchgang, in dem sie geprüft wird – auf etwaige Waffen? Merkwürdig fand Lea das, war sie doch auf jenes Amt gekommen, einzig um ein Dokument abzuholen…. Denkt an die Parkapp, die wieder nicht funktionierte, aus unerklärlichen Gründen und die stressige Parkplatzsuche …und die Lilien duften, ins Novembergrau…
© Roswitha Springschitz 2024-12-20