von DannyDelicious
Ein lauer Abend im Spätsommer kündigt sich mit einem orangeroten Horizont an. Ich starre aus dem Fenster. Schon wieder ein Sommer um, und nichts ist passiert, brabbele ich mir in meine Bartstoppeln. Ich lege mich auf mein Sofa und mache mich so lang wie nur irgendwie möglich. Dieser Abend ist angenehm, zu angenehm, um ihn nicht angenehm zu verbringen. Und so gesellt sich zu meiner flapsigen Körperspannung ein ebenso anspruchsloses, aber eben genauso angenehmes Buch. Leichte Lektüre, die im Nachhinein betrachtet inhaltlich keinen Wert hatte, aber eben gepasst hat. Doch kaum hatte ich mich auf den literarischen Weichspüler eingelassen, reißt mich ein helles, aber auch dumpfes Geräusch aus meiner Trance. Das Geräusch kam aus Richtung Fenster. Ich fluche. Wirft da gerade jemand Steine an mein Fenster? Kurz fand ich diesen Gedanken irgendwie romantisch, ein Überraschungsgast, der sich ganz altmodisch mit leichtem Vandalismus ankündigt. Aber kurz war dieser Gedanke wirklich, da schon bald wieder der Ärger hochkam. Demonstrativ starre ich das Fenster an. Natürlich war ich trotzdem nicht bereit zu erfahren, dass Grund dieses doch sehr lauten Geräusches eine Motte war. Verzweifelt versucht diese mit völlig falsch platzierter Leibeskraft meine Fensterscheibe einzuschlagen. Ich flaniere mich wieder auf das Sofa. Mistvieh. Kann es nicht woanders dumm sein? Ich versuche hier gerade, einfach nur faul zu sein. Absolut meine Zeit zu verschwenden. Doch kann ich mich gerade in dieses kuschelige Gefühl fallen lassen, wenn ganze Zeit diese Motte gegen das Fenster ballert? Ich wälze mich hin und her. Das Sofa ist nicht mehr gemütlich. Diese Motte hat mich rausgerissen. Und da, schon wieder. Wie vom Teufel besessen flirrt sie am Fenster entlang. Jeder Flügelschlag kratzt an meinem Bewusstsein. Was soll ich jetzt tun? Ich kann mich so nicht entspannen. Es wird mich doch jedes Mal so erschrecken. Ich knalle das Buch zusammen. Der Titel ist mir direkt wieder entfallen. Ich frage mein Handy, wieso Motten manchmal solche Idioten sind. Das Handy weiß auch nicht, wieso die Motte mich gerade jetzt beim Lesen stört. Aber es weiß, dass gerade 19 Grad Celsius sind. Ich setze mich gerade hin. Jeden Moment könnte dieses Tier wieder gegen die Scheibe knallen. Ich tappe mit meinen Fingern auf dem Sofa. Muss ich jetzt jeden Abend damit rechnen, dass dieses Vieh meine gemütliche Zeit so in Fetzen zerreißt? Wie soll ich mich da noch auf den Feierabend freuen? Oder überhaupt irgendwas. In meinem Kopf höre ich wieder dieses ekelige Geräusch. Oh Gott, welch Leid mir hier gerade zustößt! Ich weiß nicht, was ich noch mit mir anfangen soll. Trotzdem fasse ich meinen ganzen Mut und öffne das Fenster. Ich blicke in ein schwarzes Nichts, als mich die Nacht begrüßt. Die Motte ist weg. Scheiße.
© DannyDelicious 2024-09-24