Mein Gärtner spricht Latein

von Klaus Rafenstein

Herr Karl stapft mit wachem Blick durch meine Gstettn. Nur vor meinem inneren Auge blĂĽht dort schon ein Garten. Seine globigen Gummistiefel hebt er nicht wirklich beim Gehen und so schlurfen sie unter ihm ĂĽber den Staub.

„Geschunden vom Hausbau und dann mit Unkrautmittel niedergespritzt. Tote Erde. Da hab ich noch nie einen Wurm oder einen Käfer drin gesehen.“ informiere ich ihn ĂĽber meinen Garten. „Vielleicht weil’s nie da sind“ kommt es von dem Mann zurĂĽck, dem ich soeben erklärt habe, dass ich fĂĽr mein Wochenend-Haus gerne einen sich selbst pflegenden Sorglos-Garten hätte. Herr Karl studiert weiterhin in sich gekehrt den Boden, der mehr an namibische WĂĽste erinnert als an gedeihende Gartenerde. Hin und wieder diktiert er seinem Assistenten lateinische AusdrĂĽcke, während dieser emsig den Garten vermisst. Bei vorsichtigem Nachfragen erfahre ich, dass die Ziergräser so heiĂźen, die Herr Karl meinem Garten verpassen möchte. Ich schmunzle ob der bizarren Situation.

Was das Trachtenpärchen fĂĽr Almdudler ist, ist Herr Karl fĂĽr das Lagerhaus. Der Archetyp eines Gärtners. Gekleidet in Latzhose und Jagdhemd. DarĂĽber ein wärmendes Gilet mit zig Taschen fĂĽr den Verstau nĂĽtzlicher Utensilien. So wie John Wayne nie ohne seinen Revolver-Gurt auĂźer Haus geht, so ziert das Gilet stets Herrn Karl. GrĂĽn-Ton-Stoff-Kompositionen. Selbst die bis zu den buschigen Augenbrauen gezogene Haube schrillt Frosch-GrĂĽn. Die Jahrzehnte lange Arbeit unter freiem Himmel hat Spuren hinterlassen. Die Haut gegerbt vom Mix aus Sonne, Wasser, Erde und kräftigem Anpacken. Und nun stapft Herr „Carolus“ durch den Garten und ruft seinem Adjutanten lateinische Ausdrucke zu. „Herr Karl, hilft es wenn ich zwischendurch Bissl Unkraut zupfe?“ frage ich hilfs- und wissbegierig.

„Herr Rafenstein, wenn eana fad is, donn lesen’s a guats Biachl.“ werde ich Karl-charmant in die Schranken gewiesen. Bevor er sich mit einem lässigen Fingerzeig verabschiedet, bezeichnet er meine mĂĽhevoll errichtete Holzmauer als Schuss ins Knie. „In an Joa san die Fichtenstaberln durchgmodat und knicken eana um wia Schneegleckal im Sahara-Sturm.“

Eine Woche Stille, dann Telefongeläut: „Herr Rafenstein, mia hom uns vamessn. Konn I no amoi vorbeikumman?“ „Gern, wann sind Sie denn da?“ „I steh voa da Tia…“

Die Gelegenheit nĂĽtze ich, um die in mir lodernde Frage zu stellen, ob man das Elefantengras „Miscanthus Giganteus“ und Pampasgras „Cortaderia Selloana“ auch gemeinsam nebeneinander setzen kann? „NEIN! Herr Rafenstein des is wia wonn mia zwa nemanond am Buffet stehen. Do homs a ka Freid. So ähnlich geht’s dann dem Pampasgras mitn Elefantengras.“

Ich mag seine Metaphern. Selten so viel Lebensweisheit so erdig verpackt erlebt. Beim finalen Preisgespräch versuche ich meine Eigenleistung als Verhandlungsmasse miteinzubringen: „Und wenn ich Ihnen unter die Arme greife und mithelfe?“ „NEIN! Nur die Harten kommen in den Garten!“ Botschaft verstanden. Ich geh ein gutes Buch lesen.

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