von Klaus Rafenstein
Das Cockpit des Segelfliegers wirkt alt. Das grĂŒne Glitzern erinnert mich an die Fiberglas-Haut des Kinder-Autodroms im Prater der 80er Jahre. Meine Finger streifen ĂŒber den absplitternden Lack. Keine Elektrik. Pure Mechanik. Fred Feuerstein Feeling. Die gute Nachricht: Wir mĂŒssen nicht mit den Beinen antauchen. Das erledigt die Seilwinde fĂŒr uns. Der Fluglehrer bemerkt mein GrĂŒbeln. âBaujahr 1969. Ăber 15.000 sichere Starts und Landungen.â sagt er wĂ€hrend er die Glashaube ĂŒber unserem Cockpit schlieĂt. âBisher“ legt er nach, als sich die Verriegelung schlieĂt. Das Seil spannt sich und wir werden in luftige Höhen ĂŒber den Spitzerberg katapultiert. Meine Segelflug-Karriere beginnt und endet gleichsam mit diesem Flug.
âMeist geht es gutâ versucht der Tandem-Guide mich zu ermutigen, als sich der Gleitschirm ĂŒber uns aufblĂ€ht und wir den Boden unter den FĂŒĂen verlieren. Die Thermik trĂ€gt uns zuverlĂ€ssig ĂŒber die Schmittenhöhe und gewĂ€hrt uns einen atemberaubenden Blick auf das Alpenpanorama. Schnee wie Zuckerguss auf den Gipfeln, saftig grĂŒn die TĂ€ler. Wir schweben in luftigen Höhen, die WohlfĂŒhlschmetterlinge heben ab und ziehen im Bauch ihre Kreise. Adrenalin paart sich mit Genuss.
Nun ist das nĂ€chste Abenteuer dran. Tauchen. In 18 Metern Tiefe kommt mir der Riffhai bis auf 2 Meter entgegen, dann dreht er ab. Ich wage nicht zu behaupten, wer von uns beiden mehr Respekt hat. Ein Manta-Schwarm breitet sich wie fliegende Teppiche unter uns aus. Wir gleiten das Riff entlang und genieĂen die Farbenpracht der Unterwasserwelt. Schön, nun auch in dieses Universum einzutauchen.
ZurĂŒck an der OberflĂ€che. Der glitzernde Wellentanz spiegelt sich in der Sonnenbrille. Die Abendsonne wĂ€rmt die wassergekĂŒhlte Haut. Das Rauschen der Meeresbrandung verwöhnt das Ohr. Die Luft riecht nach Salz. Meine Fallschirmseide-HĂ€ngematte schwingt von links nach rechts, und wieder retour. Ich beobachte die Gedanken, die mir durch den Kopf wandern. âWie viele mutige Materialtester brauchte die Paragleit-Geschichte?â
Am Horizont steigt eine Propellermaschine von der Hauptinsel Richtung Wolken auf. âWie viele Piloten mussten ihr Leben lassen, bis die Technik der zivilen Luftfahrt dort angelangt war, wo sie heute steht?â
Das Salzwasser hat meiner Taucherbrille heute zugesetzt. Ich intensiviere das Schrubben. âWie viele Taucher mit zerrissenen Lungen musste es an die OberflĂ€che hoch spĂŒlen, bis wir die Geschichte mit der Dekompression vollends verstanden haben?â
Ich verneige mich innerlich vor den unermĂŒdlichen Pioniergeistern und sage leise Richtung Meer & Horizont: âDanke, ihr Helden!â