von Klaus Rafenstein
Das Wellenrauschen wird unterbrochen von den summenden Triebwerken einer Olympic Airlines Maschine. Auf anderen Inseln sagt man: „Ein Flieger kommt!“ Auf Skyros sagt man: „Der Flieger kommt!“ Einmal pro Tag. Aus Athen. Nabelschnur zur Welt des 21. Jahrhunderts. WĂ€hrend auf der Insel die Zeit stehen geblieben scheint. „Wie Griechenland vor 50 Jahren“ lese ich in den Reiseberichten bei meinen Recherchen im Vorfeld. Ich gebe noch 20 Jahre dazu.
Der Flieger landet auf der einzigen Landebahn der Insel. Unmittelbar nach dem Touch Down drehen wir gleich auf der Start- & Landebahn um und fahren direkt zum einzigen Flugzeug-Parkplatz der Insel. Die Passagiere fĂŒr den RĂŒckflug nach Athen warten im Freien. In der FlughafenhĂŒtte hĂ€tten gar nicht alle Menschen Platz. Doch wer mag von hier ĂŒberhaupt wieder weg?
Skyros ist verwunschene Romantik pur. Ein sanfter Wind streicht ĂŒber die grĂŒnen HĂŒgel, wĂ€hrend das goldene Licht der untergehenden Sonne die Szenerie in einen warmen Schimmer taucht. Das Rauschen des Meeres mischt sich mit dem sanften PlĂ€tschern der Wellen an den malerischen StrĂ€nden. Auf den Klippen thronen antike Ruinen, Zeugen einer lĂ€ngst vergangenen Zeit, und verleihen der Insel einen geheimnisvollen Hauch. Die charmanten Dörfer werden von verwinkelten Gassen durchzogen.
Die griechische Insellotterie hat sich heuer fĂŒr Skyros entschieden. Schon nach wenigen Orientierungs-Momenten auf der Insel weiĂ ich: Jackpot! Wie eine grĂŒne Schildkröte schwimmt dieses Sporaden-Island in der ĂgĂ€is. Auf ihrem Panzer wachsen ĂŒppige PinienwĂ€lder. Den Saum bilden weiĂe pittoreske Sand- & Steinformationen wie KĂŒnstler sie nicht schöner formen hĂ€tten können. Ăsthetik ist fĂŒr mich, wenn man einfach hinschauen muss. Die Architektur ist Ă€hnlich einfach wie die hiesige KĂŒche, und lecker. FĂŒr das Auge genauso wie fĂŒr den Gaumen. Sanft abgerundetes WeiĂ gibt dem hellen Blau der Fenster & TĂŒren Raum. Der griechisch harte dunkelblau-weiĂ Kontrast der 80er & 90er hat dem weicheren Edelgrau und Sanfthellblau Platz gemacht. 3000 Menschen und 8000 Schafe. Mehr braucht es nicht.
Umso mehr ĂŒberrascht die Chora mit ihren chicen Lokalen und der Adlerhorst-Bar ganz oben im Rooftop. „A double Jack Daniels and a Coke“ bestelle ich um den ersten erfolgreichen Insel-Tag zu begieĂen. Nach 3 Minuten kommt der Kellner retour und entschuldigt sich: „Sorry, we do not have a price for double Jack Daniels in the system, I just can bring you a single portion.“ Mein Inneres hat hart zu kĂ€mpfen, sein Erstaunen, seine Sprachlosigkeit und seine Verwunderung nicht nach AuĂen durchsickern zu lassen. „Ok“, sage ich und schlĂŒrfe schon kurz darauf genĂŒsslich mein Jacky-Coke mit Blick in den Ă€gĂ€ischen Sternenhimmel. Single Portion! Den nĂ€chsten Tag widmen wir einem Besuch auf der Mouries-Farm. EnzĂŒckende Geschichte, diese Mini-Pferde. Eine Pony-Gattung, die es nur auf dieser Insel gibt. Das Himmels-Pferd. Ich glaube, es war namensgebend fĂŒr die Insel. Skyros! Zumindest mag ich das glauben.