von Klaus Rafenstein
âAuf der Insel gibt es nur 4 Taxisâ erzĂ€hlt uns Vermieterin Katerina beim Ankommen. Sympathische Insel! Ich bleibe meinem Versprechen treu: Jedes Jahr eine neue. Heuer die abgelegenste der Sporaden: Alonnisos!
âHelmpflichtâ ist genauso ein Fremdwort wie âRechnungsbelegâ. Bargeld ist der beste Freund, die Registrierkassen werden geschont. Die zahlreichen Strommasten sind aus BaumstĂ€mmen geschnitzt. Inselromantik vom Feinsten. Das HeimatgefĂŒhl in mir sagt: âIrgendwann einmal warst du ein Grieche!“ Blau-weiĂe Seele, sie duftet nach Oregano. Das Herz tanzt Sirtaki und der Gaumen lechzt nach gepresstem Knoblauch im Gurkenjoghurt.
âBei uns zu Hause hat es gerade 42 Grad. Die Akropolis glĂŒht!â erzĂ€hlen uns die urlaubenden Festland-Athener. Hier auf der Insel zum GlĂŒck nur 39 Grad. Ich lerne, dass man bei diesen Temperaturen beim Passieren der MĂŒlleimerkolonie nicht tief ein- sondern lang ausatmet.
âWenn es wirklich heiĂ ist, dann wĂ€chst das GemĂŒse keinen Millimeter mehr, dann steht der Reife-Prozess komplett still.â hat mein Bienen- & GemĂŒsefreund Otto mir erzĂ€hlt. Im MĂ€rz. Im kĂŒhlen Waldviertel. Jetzt erst verstehe ich, was er meint. Hier steht nicht nur der Wachstumsprozess, auch die Luft. Keine Bewegung. Keinerlei Ausdehnung. Nur das Quecksilber, das dafĂŒr hurtig.
Der kĂŒhlende Fahrtwind macht die sengende Hitze ertrĂ€glich. Der Schlagloch-Slalom auf der einsamen KĂŒstenstraĂe möge kein Ende nehmen. Und wenn, dann nur, weil uns das Moped vertrauensvoll der 28 Grad kĂŒhlen ĂgĂ€is zum Schwimmen ĂŒbergibt. TemporĂ€r. Bis wir in der AbenddĂ€mmerung nach der Planscherei ins Hafendörfchen mit stolzen 3 Tavernen fahren. Lecker, leckerer am Leckersten! Ene mene muh und draus bist du! Das GlĂŒck is a Vogerl â und entscheidet sich fĂŒr die Taverna Kalamaka. Herzlichkeit trifft auf Gaumenfreude. Schmackhafte Kombi!
Am Tresen entdecke ich groĂe EinmachglĂ€ser mit Thunfischfilets. âSelbst gemacht!â erklĂ€rt Diana stolz. âDiesen Tuna hat meine Mama selbst gefangen und im eigenen Olivenöl eingelegt. Im JĂ€nner.â Da wĂ€re ich jetzt gerne. Im JĂ€nner.
Das Dinner wird serviert. Die Oktopus-Röstaromen mit der SchafkĂ€se Pikanterie paaren sich exzellent mit der SchĂ€rfe des Knoblauch-Tsatsikis. Die Paradeiser im Greek Salad bringen den saftigen Schuss GemĂŒsekĂŒhle an den wackelig blauen Tavernentisch. Der Hauswein heiĂt Retsina und schmeckt nach Muskateller. Egal, er schmeckt. Nun ist die Sonne komplett untergegangen und klatscht mit dem Mond ab. Heute: Vollmond!
Das Schwarz des nĂ€chtlichen Meeres trĂ€gt einen funkelnden Mondlicht-Glitzerschal. Kitschigst! WĂŒrden nun noch zwei Delfine in Herzform springen, Steven Spielberg könnte die Kulisse nicht romantischer inszenieren. Der Urlaubstag geht langsam zu Ende. Zu viel Muskatellerretsina. Eines der 4 Taxis bringt uns zurĂŒck zu Katerina. Dort trĂ€umen wir den Sporaden Traum weiter.