Es begann – wie jede gute Apokalypse – an einem Montag. Ein besonders unschöner Montag, an dem ich mit zerzausten Haaren, drei Kaffeeflecken auf dem T-Shirt und einem Blick wie ein schlecht gelaunter Waschbär vor meinem Laptop saß. Die Deadline für meinen Text näherte sich wie ein übermotivierter Zug, der keinen einzigen Bahnhof ausließ, und ich saß fest auf den Schienen. »Nur noch zweitausend Wörter«, motivierte ich mich selbst. »Ein Klacks. Ein Klacks, der mich endgültig zerstören wird.«
Ernest, der Kaktus, stand stumm am Fensterbrett und sah aus, als würde er mit jedem Stachel meinen Realitätsverlust kommentieren. Ich ignorierte ihn, öffnete das Dokument und begann zu tippen. Erst langsam. Dann schneller. Und irgendwann in einem Tempo, das mein Gehirn nicht mehr autorisiert hatte.
Nach einer Stunde war mein Manuskript ein Patchwork aus Panik, halbfertigen Szenen und literarischen Explosionen. Ich lehnte mich zurück, fuhr mir durchs Gesicht und überlegte kurz, ob ich mich einfach in eine Decke einwickeln und für unbestimmte Zeit in den Winterschlaf gehen konnte.
Dann klopfte es und Sarah steckte den Kopf herein – ungeplant, unangekündigt, typisch Sarah. »Wollte nur schauen, ob du noch lebst«, begrüßte sie mich und trat ein. »Du siehst … außerordentlich bedenklich aus.«
»Ich kämpfe gerade gegen die Deadline-Apokalypse.«
»Ah.« Sie nickte verständnisvoll und setzte sich auf die Sofakante. »Zeig her.«
Ich wollte protestieren, aber sie war schneller. Mit einer Mischung aus Mitleid und Amüsement überflog sie die chaotischen Textzeilen. »Warum fliegt der Barkeeper plötzlich auf einer Gans?«
»Notfalllösung.«
»Und was ist mit dieser Sandwich-Schlacht?«
»Improvisation.«
»Und hier … wieso hat die Nebenfigur einen Monolog über die Existenz von Kartoffeln?«
»Keine Fragen während einer Krise.«
Sie lachte, und dieses Lachen brachte etwas in meinem überhitzten Kopf wieder in Ordnung. »Okay«, meinte sie plötzlich. »Wir retten das. Atmen. Sortieren. Und vielleicht … Kaffee?« Ich nickte dankbar.
Zwei Stunden später hatte ich die wildesten Szenen gestrichen, andere abgemildert und überraschend viele gerettet. Die Gans durfte bleiben. In metaphorischer Form. Irgendwie passte sie.
Am Ende drückte ich auf »Senden« – erschöpft, stolz und ein bisschen verwirrt. Vielleicht gehörte die Apokalypse einfach zum Prozess. Und vielleicht brauchte jede gute Deadline ein kleines bisschen Wahnsinn.
© Kreative-Schreibwelt 2026-02-18