Ich hatte mir fest vorgenommen, an diesem Tag endlich mal wieder richtig produktiv zu sein. Also beschloss ich, meinen Schreibplatz zu wechseln. »Neuer Ort, neue Inspiration«, sagte ich zu mir, und Sarah hatte mir erst kürzlich erzählt, dass sie ihre besten Ideen angeblich auf einer Parkbank gefunden hatte, auf der sie fast angefroren war. Das klang düster genug, um glaubwürdig zu sein.
Ich begann auf dem Sofa. Zehn Minuten später lag ich allerdings mehr im Sofa als auf ihm. Mein Laptop balancierte gefährlich auf meinen Knien, während ich versuchte, eine halbwegs gerade Haltung zu finden. Die Szene, die ich schrieb, sollte dramatisch wirken, aber stattdessen wirkte sie so schlaff wie mein Körper in diesem Möbelstück. Nach einem besonders tiefen Einsink-Moment entschied ich: Sofa war ein Fehler. Sofa war ein Sumpf.
Also zog ich ins Bett um. Das Bett war gefährlicher, wusste ich, aber ich fühlte mich stark. Ich setzte mich aufrecht hin, Laptop auf dem Schoß, Kissen im Rücken. Drei Minuten später lag ich horizontal und fragte mich, wie ich in diese Position geraten war. Als ich merkte, dass ich bereits auf YouTube landete, obwohl ich doch eigentlich nur ein Wort nachschlagen wollte, stand ich fluchtartig wieder auf.
»Okay, nächster Ort.« Ernest, der Kaktus, beobachtete mich aus der Ecke. Ich redete mir ein, dass er mich unterstützend anstarrte. Wahrscheinlicher war aber, dass er mich verurteilte.
Ich versuchte es auf dem Teppich. »Bodenarbeit«, nannte Sarah das, als wäre es eine Sportdisziplin. Ich setzte mich mit gekreuzten Beinen hin, der Laptop vor mir. Überraschend angenehm! Fünf Sekunden lang. Dann stellte ich fest, dass genau hier der WLAN-Empfang schwächer war als mein Selbstvertrauen beim ersten Schreibworkshop. Außerdem war die Steckdose meterweit entfernt. Ich arbeitete fünf Minuten, bevor der Akku mich warnend anblinzelte, als wolle er sagen: »Wirklich? Hier?«
Also nahm ich alles und wanderte zurück an meinen Schreibtisch. Den Ort, den ich den ganzen Tag über bockig ignoriert hatte. Er war nicht »besonders inspirierend«. Er war nicht romantisch, nicht weltverändernd, nicht künstlerisch. Er hatte nur zwei Vorteile: eine Steckdose und einen Stuhl, der nicht versuchte, mich zu verschlucken.
Ich setzte mich, atmete durch, und genau in diesem Moment schrieb ich endlich meinen ersten guten Satz des Tages.
Vielleicht, dachte ich, war der inspirierendste Ort einfach der, an dem ich aufhörte, ihn verzweifelt zu suchen.
© Kreative-Schreibwelt 2026-03-04