Es war drei Uhr morgens, als es mich traf. Dieses Gefühl, das jeder Schriftsteller kennt: Der Geistesblitz, der die eigene Karriere retten, Kritiker verstummen lassen und einen vermutlich direkt in den Literaturhimmel katapultieren würde. Ich schoss im Halbschlaf hoch, griff nach dem Stift, der wie ein treuer Soldat neben meinem Bett lag, und kritzelte wild in mein Notizbuch. Danach fiel ich wieder ins Kissen zurück, zufrieden wie Einstein nach der Relativitätstheorie.
Am nächsten Morgen wachte ich mit einem Gefühl von Triumph auf. »Heute beginnt das neue Zeitalter meines Schreibens.« Ich goss mir Kaffee ein, schlug das Notizbuch auf – und starrte auf die Zeilen, die da standen:
Kuh fliegt ins All, weil kein Milch mehr.
Ich brauchte einen Moment. Vielleicht lag ein Schreibfehler vor. Vielleicht hatte mein nächtliches Genie nicht meine Hand erwischt, sondern nur den halben Stift. Ich las es noch einmal. Nein. Es stand da. Glasklar. Und völlig absurd.
»Ernest?« Ich wandte mich an meinen Kaktus. »Bitte sag mir, das ist eine Metapher. Ein brillantes Bild für den Mangel in unserer Gesellschaft, den Aufbruch ins Unbekannte oder wenigstens irgendwas.« Ernest hatte anscheinend keine Meinung dazu.
Ich probierte, es positiv zu sehen. Vielleicht war es ein Kinderbuch? »Die kleine Kuh, die die Sterne suchte.« Klingt fast poetisch. Oder ein dystopischer Science-Fiction-Roman: Milchkrise 3000 – Die letzte Hoffnung liegt bei Berta, der Raumkuh.
In diesem Moment klingelte mein Handy. Max. Natürlich, wer sonst. »Na, schon wieder wach?«, fragte er.
»Mehr als das«, sagte ich düster. »Ich habe letzte Nacht ein Meisterwerk erschaffen.«
»Oh?«
»Ja. Eine Kuh fliegt ins All, weil kein Milch mehr.«
Eine kurze Pause. Dann brach er in Gelächter aus, das fast mein Trommelfell zerstörte. »Das ist genial! Mach was draus!«
»Genial?«
»Na klar! Stell dir die Buchmesse vor. Du liest das vor – alle denken erst, du machst Witze, dann merken sie: Nein, der meint das ernst! Zack, Bestseller.«
Ich starrte auf das Notizbuch. Irgendwie hatte er recht. Vielleicht war gerade die Absurdität der Schlüssel. Vielleicht hatte ich das nächste große Genre entdeckt: Agrar-Science-Fiction.
Doch bevor ich endgültig in Milchstraßen-Euphorie verfiel, legte ich den Stift zur Seite. »Oder«, stöhnte ich, »ich lösche die Idee und behaupte, sie hätte nie existiert.«
Ernest schwieg weiter. Aber ich war mir sicher: Er lachte innerlich.
© Kreative-Schreibwelt 2025-12-17