von Klaus Rafenstein
Auf meiner Geburtstagsparty pflückt Phil von der Geschenke-Girlande das Kärtchen mit der Aufschrift “Ein Tag am See”. Einenhalb Jahre später die Nachricht: „Sei am Samstag um 8h bei mir in Andau.“
Ich mag Überraschungen. Sie zu inszenieren genauso wie überrascht zu werden. Unser Leben verläuft viel zu oft auf vorgeplanten Schienen. Da finde ich es jedesmal aufs Neue entzückend, wenn die Lebens-Eisenbahn aus den Schienen hüpft, die vorgedachte Gedankenrille verlassen werden darf und der endorphingetränkte Schmetterlingschwarm im Bauch abhebt. So geschehen auch an diesem Samstag.
Um 8h empfängt mich der Seewinkler Sommer. Seit uns das Bundesheer zu Freunden gemacht hat, sehen wir uns nicht oft. Aber wenn, dann ist es stets innig und schön.
Wir radeln zum benachbarten Weingut. Den Picknickkorb verzurren wir am Gepäckträger. Als Erich Scheiblhofer uns noch “Vü Spaß und an schen Tog!” nachruft, sind wir schon unterwegs. Der Andreasberg misst stolze 25 Höhenmeter. Picknick mit Fernsicht.
2 Freunde – lange nicht gesehen – viel zu erzählen – viel zu philosophieren. Ich genieße diese Wohlfühlstunden. An einem Wochentag August-Sonne im kühlenden Schatten mit moussierenden Prosecco-Perlen am Gaumen genießen sagt mir zu. Brettljause Deluxe neben uns, Pannonia-Tiefebene vor uns. Der Blick schweift, der Geist genießt. Phil schaut auf die Uhr. Wir müssen weiter. “Wohin?” frage ich mich, doch ich folge meinem Überraschungs-Guide. Die Räder versperren wir vorm Andauer Badesee. Ich mag das Ambiente hier. Eisschleckende Kinder und faulenzende Erwachsene säumen den wiesengrünen Badestrand. Das Seerestaurant imponiert mir. “Ich hab reserviert, für 5 Personen.”
Ich frage, ob Sabine und die Kinder auch kommen und ernte einen verneinenden Kopfschüttler. Ich merke an der Stimmung, dass weitere Fragen von mir unerwünscht sind. Ich setze mich nieder. In meinem Kopf rattert es, doch ich finde keine Rätsels-Lösung. Die Nadel bleibt in der Gedankenrille stecken. Doch dann, als die Jungs um die Ecke biegen, da steigt er auf, der endorphingetränkte Schmetterlings-Schwarm. Vor 22 Jahren haben wir in der Militärkaserne Bruckneudorf das Zimmer geteilt, genauso wie Schmerz, Leid und dann die Freude über das Abrüsten im Frühling 1998. Viele Wiedersehen haben wir uns damals bei der innigen Verabschiedung versprochen. Keines davon hat stattgefunden. Ausser dieses heute. 22 Jahre später. Ich bin gerührt. Die Tränen fließen erst dann, als der epochale Klamauk von damals neu aufgerollt wird. Anekdoten enden in prustenden Lachern, und bei geschlossenen Augen glauben wir Dank der Stimmen-Imitationen, unsere Vizeleutnants sitzen mit am Tisch. Noch einmal durchleben wir diese intensive Zeit. Wir erzählen uns von den letzten 22 Jahren, essen, trinken Spritzer, hüpfen in den See und haben das Gefühl, die Zeit ist stehengeblieben. Im Außen nicht ganz, im Innen sehrwohl. Ich mag Überraschungen. Danke Phil für diese großartige!