Weihnachten

Roswitha Springschitz

von Roswitha Springschitz

Story


„Wie werden wir das Weihnachtsfest feiern, heuer?“, fragte Robby. „Werden wir einen Baum schmücken? Einen lebenden, in unserem Haus, so wie letztes Jahr?“ Wieder einmal herrschte allgemeines Schweigen, in der Runde. Erinnerungen an ihr erstes gemeinsames Weihnachtsfest im roten Haus, im vergangenen Jahr tauchten auf. Erinnerungen an ein sehr friedliches, fröhliches Beisammensein. Matteo erschien in diesen immer wieder. „Letztes Jahr hat mir Matteo die bunte Haarspange geschenkt, wisst ihr noch?“, platzte Juna heraus. Die anderen nickten und schwiegen. Matteo war, seit seinem Verrat an der Gruppe und nunmehr schon seit etlichen Wochen, verschwunden. Hielt sich immer noch irgendwo versteckt, vermutlich.


„Also wir werden gute, feine Speisen zubereiten. Jeder und jede übernimmt dabei etwas, okay?“, sagte Florentina. „Ich backe wiederum Lebkuchen, zum Beispiel.“ Danach waren sie eine Weile damit beschäftigt, den Menüplan festzulegen.


„Ich bin dafür, dass wir heuer ein Waldweihnachtsfest machen!“, schlug Fini vor. „Dann müssen wir keinen Baum kaufen. Wir gehen einfach in den Wald und schmücken dort. Und dann gibt es sicher genug, die mit uns feiern: all die Waldtiere nämlich!“


Finis Vorschlag wurde sofort einstimmig und begeistert aufgenommen.


Und so begaben sich alle gemeinsam am Weihnachtstag in den Wald. Sie wählten eine kleine, von zwei großen, immergrünen Eichen gesäumte Lichtung aus, in deren Mitte sich ein größerer und ein kleiner Tannenbaum befanden. Sie brachten bunte Girlanden an den zwei hohen Laubbäumen an, steckten Kerzen an die Zweige, hängten glitzernde Kugeln und goldene Sterne in die Zweige und beobachteten dabei, wie da und dort, hinter Bäumen versteckt, Tiere sie dabei beobachteten. „Kommt nur her, traut euch!“, sagte Lola. „Wir wollen gerne mit euch gemeinsam feiern, heute!“


Und tatsächlich kamen einige dieser Aufforderung nach. Und so kam es, dass eine schwarze Katze gemeinsam mit einem kleinen Vögelchen, dass ein wilder Luchs mit einem etwas verirrten und verwirrten Schwan – dass also Tiere, die sonst einander Feind sind, miteinander Weihnachten feierten. Kann es ein schöneres Weihnachtsfest geben?




© Roswitha Springschitz 2024-05-01

Genres
Romane & Erzählungen
Stimmung
Herausfordernd, Emotional, Hoffnungsvoll, Inspirierend, Reflektierend
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