von Klaus Rafenstein
Weiße Schaumkrönchen auf den Meereswellen, weißes Segel, weiße Schäfchenwolken. Weiß ist der Stoff aus dem Träume gemacht sind.
„Weiß ist neutral, weiß kann man zu allem kombinieren“ hat mir Ana damals erzählt, als wir uns über das Farbkonzept der zu renovierenden Wohnung unterhalten haben. Dass Wohnungen Farbkonzepte haben können wusste ich davor nicht, sondern was mir gefiel wurde zur Einrichtung. Farblich stimmig? Vielleicht!
Nun bin ich zum Hausmenschen mutiert. Viel weiß. Außen und innen. Mein Kamin, das weiße Prachtstück im Wohnzimmer. Er ist mein schönstes Deko-Element. Und wärmender Freund. Nicht immer. Wenn ich ihn putze ist die Freundschaft kurzzeitig stillgelegt. Ein weißer Kamin? Obwohl Ruß, Asche und Rauch seine ständigen Wegbegleiter sind? Kontrastbursche! Zum Glück gibt’s das rauf- und runterschiebbare Sichtfenster. Das Objekt meiner Putzbegierde. Nackenhaare türmen sich zu Berge während ich diese Zeilen schreibe.
Auf dem Kamin sitzt der Hase Silba. Da mir vor einem Jahr beim Kauf meiner einzigen Osterdeko kein anderer Name für ihn eingefallen ist, hat er seine Fellfarbe als Namen bekommen. Silba, mein Kaminchen!
„Bring Farbe in dein Leben“ finde ich einen schönen Spruch. Weiß ist aktuell meine Farbe. Ist Weiß überhaupt eine Farbe? Seit Tagen streiche ich alles weiß, das mir in die Quere kommt. Tische, Leitern und selbst Baumstämme auf denen weiße Kerzen thronen, werden in dekoratives Weiß getaucht. Weißer Land-Streicher.
Irgendwie bekommt alles einen chicen Stil, sobald es in Weiß gehüllt oder eben gestrichen wird. Ibiza & Mykonos haben das schon vor langer Zeit erkannt. Alter grauslicher morscher Bretterverschlag. Weiß gestrichen verwandelt sich das Ding metamorphisch in eine trendig-chice Bar. Weiße Verwandlung!
Bei uns Menschen ist es anders. Wir wirken weiß nicht ganz so ästhetisch. Wir lechzen mehrheitlich nach sonnengebräuntem Teint. Obwohl die Royals von früher ihren Status durch noble Blässe unterstrichen. „Ich muss nicht unter der gleißenden Sonne arbeiten, deshalb bin ich weiß. Ich kann’s mir leisten, blass zu sein“ war die Botschaft dahinter. Noblesse.
Heute sind wir stolz auf unsere sonnengebräunte Haut, fast wie ein Nobel-Label tragen wir sie. Nicht das Hugo Boss Logo oder der Ralph Lauren Reiter strotzt von der Brust des Shirts, sondern die Bräune der Haut zeigt, dass wir uns Freizeit an der frischen Luft leisten können.
So wie man die Falten rund um die Augen verbergen können wollte. Oder stolz darauf ist, weil sie Zeitzeugen des vielen herzhaften Lachens sind. Oder des in die Sonne schauens ohne Sonnenbrille. „Laughing- or Holiday-Wrinkles“ statt Altersfalten. Es ist nur eine Frage der Perspektive.
Ich werd‘s weiter tun. Ins behagliche Kaminfeuer schauen, hübschen Gegenständen ein weißes Outfit verpassen, herzhaft lachen und am besten dabei in die Sonne schauen.