von Friedeborg Seitz
Der Lutherweg, die Route, die Martin Luther 500 Jahre zuvor von Eisenach bis Worms und zurück im Jahre 1521 bereiste, ist eine Strecke, die mit meiner Konfession zu tun hat. Aufgewachsen bin ich in einem evangelisch-lutherisch geprägten Haushalt als Tochter eines Pfarrers. Martin Luther muss in meinen Augen eine coole Socke gewesen sein, auch wenn er ein unbequemer Zeitgenosse sein konnte. Wer sich mit Martin Luther schon mal ein wenig beschäftigt hat, ahnt vermutlich, dass er sich möglicherweise im Grabe umdrehen würde, wenn er erführe, dass seine Reisewege 500 Jahre später offiziell zu Pilgerwegen „umfunktioniert“ wurden. Wozu sollen Menschen, die vielleicht wenig mit der Bibel und seinen Schriften anfangen können, ausgerechnet auf seinem Reiseweg pilgern? Noch dazu der Weg, der für ihn selbst ein schweres Los mit sich brachte und auf dem Rückweg vom Wormser Reichstag (bzw. dem Bischofshof) nach Eisenach sogar zu einem gefahrvollen Fluchtweg wurde? Den historischen Quellen nach hatte der Kirchenkritiker für Pilgerreisen wenig übrig. Ich glaube, wenn man Martin Luther zu einem Besuch in unsere Zeit holen könnte und über Sinn und Zweck des Pilgerns auf dem Lutherweg 1521 informieren würde, wäre er der Sache vielleicht sogar zugetan. Spätestens wenn er bei einer Tasse Kaffee in Romrod bei den netten Organisatoren des Lutherweg-Vereins sitzen würde, wäre das Eis schnell gebrochen, dessen bin ich mir sicher. Einen 400 km langen Weg zu erlaufen und sich an Informationstafeln an einigen Etappen mit dem Thema „Luther und die Reformation“ zu beschäftigen, macht Luthers Reise nach Worms und zurück für jedermann begehbar – lehrreiche Erfahrungen und unvergessliche Erlebnisse inklusive.
Ich finde es gut, dass es diesen protestantischen Pilgerweg gibt, wenn man den Lutherweg so bezeichnen darf. Einen ökumenischen Weg gibt es auch schon: die „Via Regia“. Der Lutherweg teilt sich manchen Streckenabschnitt mit alten Pilger- und Handelswegen und führt an zahlreichen Kirchen und Gedenkstätten vorbei, die man besuchen kann. Was die (Pilger-)Infrastruktur betrifft, ist der Verein, der diesen Weg ins Leben gerufen hat, stetig dabei sie immer weiter auszubauen.
Wer wissen möchte, was für Abenteuer eine fröhliche Pilgerin mit ihrem roten Rucksack und ihrem Maskottchen, einer kleinen Playmobil-Figur von Martin Luther, genannt „Maddin“ von ihrer Reise von Eisenach bis Worms erlebt haben, ist herzlich eingeladen mich lesend auf dieser Reise zu begleiten. Dieses Buchformat hat nur Platz für 17 kurze Kapitel. Da passt natürlich nicht die ganze Geschichte meiner Reise mit Maddin hinein. So hoffe ich, dass ich Euch dennoch im Geiste mit nehmen kann, und Ihr dadurch vielleicht Anregung genug bekommt, selbst einmal auf dem Lutherweg 1521 zu laufen.
In diesem Büchlein endet die Reise bei Kapitel 17 am höchsten Punkt des Lutherweg 1521, auf dem Herzberg. Wenn es eine Fortsetzung gibt, heißt es dann vielleicht nicht nur für mich alleine:
Hier gehe ich, ich kann nicht anders!
© Friedeborg Seitz 2023-12-19