von FrancoSamsa
Stück für Stück ist Dietmar Scholtes Haus auf die Straße geschmolzen, bis es als Abwasser in die Sinkkästen verschwand. Zumindest behauptete Dietmar dies, als er vor der Turnhalle stand und regelrecht aufgelöst wirkte.
„Alles ist weg!“ Als hätte man ein kleines Kind um seine Süßigkeiten gebracht. „Weg ist es, ich sag es euch!“
Die Gewissheit für dieses Phänomen, gab es ca. 10 Minuten später, als alle Eltern und Lehrer aus der Halle stürmten, um das Haus aufzusuchen, was anscheinend nicht mehr vorzufinden war.
Weg war es also, nur dass es natürlich nicht stimmte. Seelenruhig und unberührt war es dort am Stehen, umstellt von einer Meute mit ratlosen Gesichtern.
„Aber es war doch… es war… es…“ Dietmar Scholte konnte es sich nicht erklären, schließlich hat er es mit eigenen Augen gesehen.
„Er war es! Er hat es mir angetan! Er will mich um meinen Verstand bringen, das müsst ihr mir glauben!“ Die Strophe war zu Ende, jedoch nicht das Lied. Dietmar Scholte kam in Gewahrsam und die einstige Frage, die präsent wirkte, wurde nun von einer anderen überschattet.
Entspricht Solidago Canadensis nun der Realität?
Natürlich nicht, schließlich gleicht er doch nur einem Hirngespinst. Aufgetaucht aus dem Nichts, nur um Gemüter zu erregen und Synapsen zu verstopfen, so als hätte er sonst nichts Besseres zu tun.
Doch was ist, wenn er doch unter uns weilt? Entsprungen aus der Masse, mit dem Ziel, den Leuten ihre Vernunft zu berauben. Ja wäre es nicht genau das, was er von uns erwarten würde? Dass wir ihn nur für einen Hirngespinst halten? Bieten wir ihm somit nicht die Grundlage für sein Tun?
Eine Antwort blieb aus, die Fronten jedoch, verfestigten sich. Meinungen über Meinungen, Gedanken an Stränge, auslaufend in jegliche Richtung, die man sich vorstellen kann. Mit dem einzigen Problem, dass es im Endeffekt keine Rolle spielt.
Jedenfalls war Dietmar Scholte nicht der Einzige, der mit der Wirklichkeit zu kämpfen hatte. Aus der ganzen Stadt, so sagte man sich, waren die Klagen derjenigen zu hören, die mit den Eskapaden des Canadensis zu kämpfen hatten. Häuser schmolzen dahin. Autos schwebten davon. Besitzgüter jeglicher Art veränderten ihre Struktur und wurden letztendlich unbrauchbar. Man kann sich vorstellen, dass die Polizei alle Hände voll zu tun hatte, sich mit Sachen zu beschäftigen, die letztlich gar nicht stattfanden. Und während die Gegebenheiten sich zuspitzten, war der Name, gleichwohl ob man daran glaubte oder nicht, in aller Munde zu hören. Schließlich war er ja dafür verantwortlich. Sollte man etwa nur stumm dasitzen und sich diesen Blödsinn geben. Sollte man wirklich tatenlos dabei zuschauen, wie alle erworbenen Besitztümer ins Ungewisse gleiten? Wohl kaum.
© FrancoSamsa 2022-07-18