11 Bea

Alexandra Vogel

von Alexandra Vogel

Story
La Palma

Bea war die spritzige Prise Humor, die überraschend für herzhafte Lacher und amüsierte Schmunzler sorgte. Sie war Meisterin im Geschichten erzählen. Liebevoll malte sie jedes erdenkliche Detail aus und zog die Frauen dadurch in ihren Bann. Es gelang ihr, Geschichten so zu erzählen, dass das Gefühl entstand, selbst dabei gewesen zu sein. Liebevolle Selbstironie beschrieb ihren Erzählstil vielleicht am besten. In Beas Kopf war Kirmes, sieben Gedanken wurden gleichzeitig gedacht. Wochentagen ordnete sie Farben zu und Menschen Nummern. Bea war für neurotypische Menschen schwer zu begreifen, für Frida jedoch nicht. Durch die Zeit mit Bea verstand Frida, wie wichtig es war, sich mit Menschen zu umgeben, die sich fernab des neurotypischen Denkens bewegten. Frida verstand, dass sie sich weniger anders fühlte mit Menschen, die genau wussten, was in ihr vorging, wie sich Dinge anfühlten und es sich nicht nur vorstellen konnten. Neben Bea konnte Fridas Universum aus Chaos, Glitzer und Sternenstaub frei strahlen. Die beiden waren auf einer anderen Ebene connectet, sie trafen sich manchmal auf der Kirmes in ihren Köpfen und lächelten sich bestätigend zu. Manche Verhaltensweisen von Frida und Bea waren für viele Menschen nicht nachvollziehbar, für die beiden aber schon. Sich selbst nicht so ernst nehmen, sich in der eigenen Besonderheit und Einzigartigkeit annehmen, das Leben fließen lassen, das lernte Frida von Bea in diesen Tagen.

Neben ihrem Witz und ihrer Leichtigkeit schwang immer wieder in sanften Böen ein Schmerz mit. Der unerfüllte Wunsch lag Bea manchmal noch schwer im Magen, manche Situationen versetzten ihr immer noch einen Stich ins Herz, mittenrein in den unerfüllten Kinderwunsch. Gemeinsam mit ihrem Mann hatte sie eine Odyssee an medizinischen Terminen hinter sich, viele Hoffnungs-schimmer, noch mehr Enttäuschungen. Anzunehmen, dass neben Bea, Ben und Bärbel, dem Hund, kein Kind ihre Familie ergänzen würde, war von Zeit zu Zeit noch schwer. Und gleichzeitig liebte sie ihr Leben wie es war, die Unabhängigkeit, die vielen Erfahrungen, die sie machen konnte, weil sie keine Mutter war. Für Frida war es bewundernswert, wie Bea und Ben gemeinsam durch diese prägende und schwere Zeit gewandert waren, Höhen und Tiefen angenommen und sich dabei nicht verloren hatten. Sie lebten vor, dass eine Beziehung an einem unerfüllten Kinderwunsch nicht zerbrechen muss, auch wenn viele Beziehungen diese Erfahrung nicht überstehen. Für sie war kein Kind das Klebematerial ihrer Beziehung, sondern ihre Liebe füreinander, ihre Zugewandtheit, ihr stetiges in Kontakt sein.

Himbeerjogurt 24 – diese Wortkombination war aus Beas Gedanken entstanden. Eines Abends saßen die Frauen am Pool, der Sternenhimmel über ihnen. „Welche Zahl hat für euch Himbeerjogurt?“, fragte sie in die Stille hinein. „Für mich ist Himbeerjogurt eine 24. Und Donnerstag, welche Farbe hat der Donnerstag für euch?“ Frida runzelte ihre Stirn. „Du musst es fühlen“, grinste Bea sie an. „Das kannst du doch gut, Frida, du musst einfach fühlen, um zu wissen, welcher Tag welche Farbe hat.“
Himbeerjogurt 24. Dieser Urlaub fühlte sich für Frida an wie Himbeerjogurt 24: Leichtigkeit, Verbundenheit, Glückseligkeit.

© Alexandra Vogel 2024-08-19

Buchkategorie
Romane & Erzählungen
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Emotional, Inspirierend
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