11. dummes Mädchen

LM P

von LM P

Story

Ich weiß, dass ich kein Alkohol abkann, aber das ist mir grade ziemlich egal. Soll ich doch peinlich und unangenehm werden, mich kennt doch eh niemand hier in diesem abgelegenem Dörfchen. Der Alkohol lässt mich vergessen, er lässt mich gut und selbstbewusst fühlen. Und bei so vielen komischen Leuten kann ich das grade gut gebrauchen. Ich hasse Menschen und vor allem große Menschenmengen. Ich glaube Jayden hat es gemerkt. Deswegen wollte er mir mein Glas wegnehmen, aber nichts da. Da es ihm allmählich unangenehm wird, bezahlt er und zieht wieder an mir rum. Auch wenn ich lache, könnte ich mich grade zu tiefst hassen. Ich bin ihm unangenehm, er möchte mit mir die Öffentlichkeit meiden. Als er mich ein paar Straßen weg von dem Restaurant zog, reiße ich mich von ihm los.

,,Was ist eigentlich dein Problem? Du sagst, du willst mit mir was unternehmen, und ziehst mich dann wieder nach Hause, wenn ich dir zu peinlich bin? Wenn wir was unternehmen?“ Mir wird alles zu viel, Wut, Trauer alles kommt hoch. Am liebsten würde ich mich auf den Boden fallen lassen, meine Knie sind so weich, ich bin so schwer für mich selbst. Kommt gleich eine Panikattacke?

,,Nein, Stella…“ Meine Knie geben nach, ich sacke zusammen.

,,Was willst du eigentlich von mir? Warum rettest du mich, warum lässt mich nicht einfach?“ Da sitzen wir inmitten eines Sandweges und ich fühle mich wie ein Häufchen Elend. Jetzt hab ich es wieder geschafft, unangenehm und peinlich zu sein.

,,Es hört nicht auf, Jayden. Seit ein paar Tagen sind diese Stimmen in meinem Kopf wieder da. Sie schreien mich an. Schließe ich die Augen, bilden sich schreckliche Szenarien in meinem Kopf, sodass ich die Augen nicht schließen kann. Es verfolgt mich.“ Er sammelte mich auf und trug mich nach Hause. Ich erinnerte mich plötzlich dunkel an etwas. Als wäre das schon mal passiert. Ich schluchzte.

,,Schh. Alles wird gut, du bist in sicheren Händen, Stella.“ Egal, wie viel Alkohol ich trinke, es lässt mich nicht vergessen. Im Gegenteil, es wird noch schlimmer als es eh schon ist. Und jetzt mache ich mir auch noch Vorwürfe, ich sei so unangenehm und peinlich. Ich kann das alles nicht mehr. Wann hört dieses Leiden endlich auf? Wann hört der Schmerz in der Brust auf? Ich höre, wie er die Haustür hinter uns mit dem Fuß zuknallt. Er legt mich auf dem Bett ab und fummelt ein paar Sachen, bis er wieder zu mir kommt. Ich schmiege mich an ihn. Irgendwie will ich ihn nicht mehr loslassen. Ich will nicht schon wieder jemanden loslassen und noch tiefer fallen.

,,Stella, du bist mir nicht unangenehm gewesen, aber so viel, wie du getrunken hast, kann man nichts mit dir in einem vernünftigen Zustand machen. Es war zu deiner eigenen Sicherheit.“ Ich habe keinen klaren Verstand. Ich habe nicht mal wirklich gecheckt, was er da gesagt hat. Ich merke wie er meine Klamotten auszieht und mich unter die Decke einkuschelt.

,,Küss mich“ forderte ich ihn auf.

,,Was? Nein, Stella. Du bist betrunken. Du brauchst jetzt einfach Ruhe und Schlaf.“ Ich hörte nicht mal richtig hin und küsste ihn.

© LM P 2024-02-28

Buchkategorie
Romane & Erzählungen, Humor& Satire
Stimmung
Abenteuerlich, Herausfordernd, Emotional, Angespannt, Funny