19. Dezember

Gabriele_Krele-Art

von Gabriele_Krele-Art

Story
2025

Auf der Wiese neben dem Russbach stolzierte heute ein stolzer Hahn mit zwei Hennen. Mit diesem farbenfrohen Bild assoziierte ich die Frage: Was war zuerst da – die Henne, der Hahn oder das Ei? Es ist eine seit der Antike gestellte Frage, auf die es mehrere Antworten gibt, je nachdem, von welcher Perspektive aus man sie betrachtet. Schon Aristoteles philosophierte über diesen ewigen Kreislauf, lange bevor Darwin die Evolutionstheorie lehrte, mit dem Ergebnis, dass die Frage zirkulär ist und somit unbeantwortbar.

Naturwissenschaftlich ist es ein eindeutiger Fall: Eier legende Fische, Amphibien oder Reptilien gab es evolutionär schon vor den Vögeln. Das Ei eines flugfähigen Sauriers, vermutlich des Achaeopteryx, mutierte irgendwann zum ersten Vogel. Das Ei war demnach vor dem Vogel da. Beziehen wir uns bei der Frage allerdings auf die heutige Haushuhn-Henne, bedingt das Huhn das Ei. Die Antwort auf die Frage aller Fragen hängt also von der begrifflichen Definition von „Ei“ und „Henne“ ab.

Im besten Fall lebt ein Hahn mit mehreren Hennen zusammen. Dem hübschen Hahn und seinen Hennen auf der idyllischen Wiese neben dem Bach gönne ich viele Nachkommen. Ich wollte wissen, um welche Hühnerrasse es sich dabei handelt. Eigentlich, so erklärte mir der Besitzer, seien es normale Haushühner, obwohl das Sulmtaler Huhn ein wenig mitmischte. Vor einigen Jahren lebte diese traditionelle steirische Hühnerrasse auch unter den Hühnern. Als ich über diese schöne Rasse mehr erfahren wollte, stieß ich auf den Begriff des Zwiehuhns. Darunter versteht man Zweinutzungsrassen, die sowohl gute Fleischlieferanten als auch profitable Eierleger sind. Zwiehühner sind nicht rentabel für die Großkonzerne, die reine Lege- und Fleischhybride bevorzugen.

Das ursprüngliche Wildhuhn ist das Rote Dschungelhuhn, auch Bankiva genannt, das noch heute in Südostasien lebt. Schon vor mehr als 8000 Jahren belustigten sich die Menschen an den Hahnenkämpfen der Wildhühner. Später erst aßen sie ihre Eier und ihr Fleisch, womit die Verbreitung über die ganze Welt begann. Erst im 15. Jahrhundert begann die Rassenzucht mit dem Ziel der Maximierung der Legeleistung und des Fleischertrags. Zahlen veranschaulichen diese Steigerung deutlich. Ein Wildhuhn legt 20-60 Eier pro Jahr, Landhühner im vorigen Jahrhundert brachten es schon auf 180. In den heutigen Produktionsstätten liefern Legehybride 250-320 Eier pro Jahr. Meist sind die Hennen durch die Hochleistungszucht schon nach zwei Jahren „verbraucht“.

Der Hahn steht an der Spitze im Rangordnungssystem. Die Hackordnung regelt die Rangordnung unter den Hennen. Die Henne an seiner Seite scheint die „Alpha-Henne“, die ranghöchste, zu sein. Ihr stehen die besten Futter-, Schlaf- und Nistplätze zu. Alle anderen Hennen wissen infolge der Rangordnung, wem sie sich unterwerfen müssen und wen sie dominieren können. Bei ausreichend Platz und Futter wird der Stresspegel auf diese Weise niedrig gehalten. Hier genießen die Haushühner viel Freiheit. Sie scharren und picken friedlich Seite an Seite, und ich genieße den Anblick dieser schönen Hühnerrasse. Da lässt sich das feuchtkalte Wetter mit nebelverhangenem Himmel vergessen.


© Gabriele_Krele-Art 2025-12-19

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