5 Minuten Starbucks (1)

Marcel Becker

von Marcel Becker

Story
Köln Friesenplatz

Ich soll hier gerade Sachen niederschreiben, damit es aussieht, als würde ich etwas tun. Dabei tue ich ja was. Ich schreibe. Auch wenn der Text hier im Endeffekt vermutlich gelöscht wird, macht mir Schreiben zum Glück ja Spaß. Das Macbook ist auch viel schneller als meins. Vielleicht nehm ich das einfach mit. Neee. Lass mal lassen, sagt meine innere Stimme mir. Aber die Tastatur lässt sich auch viel leichter bedienen als die an meinem Apple Gerät. Ich frage sie gleich mal, welches MacBook das ist. MacBook Pro steht da vorne unter dem Bildschirm. Ich habe ein MacBook Air, aber vermutlich eine ältere Version. Kann ich ja nicht wissen. Immerhin bekomme ich gleich meinen Kaffee. Fünf Minuten draußen gewesen und meine Hände gefrieren wieder zu klobigen kleinen Miniaturen ihrer selbst. Trotzdem scheine ich hier schneller zu schreiben. Ich habe eigentlich lange schon nichts mehr geschrieben. Zumindest nichts wirklich lohnenswertes. Mein letztes Gedicht war zufriedenstellend, aber auch nicht konkurrenzfähig zu dem, was ich meine beste Arbeit nennen würde. Komisch. Die Zeit scheint schneller und dennoch zu langsam zu vergehen. Ich warte. Immer noch. Wo ist mein Kaffee?

Menschen kommen und setzen sich an meinen Tisch, weil ich es Ihnen eben angeboten habe. Ich bin ja gleich wieder weg. Gleich in fünf Minuten etwa, habe ich gesagt. Ich nehme hier einen ganzen Tisch und Sessel ein. Sie sprechen Spanisch. Super interessante Sprache. Werde ich auf jeden Fall in den nächsten Jahren noch lernen. Erstmal polnisch, dann rumänisch. Der Zeiger dieser Maus fliegt so unglaublich schnell über das Display. Ob´s den noch für billiger bei eBay gibt? Sprachen interessieren mich schon zu sehr dafür, dass ich erst zwei fließend spreche. Ich hätte viel früher wieder mit polnisch anfangen sollen. Familiendrama hin oder her. Sprachen lernen kann wirklich ermüdend sein, aber es ist umso besser, wenn man dann erste Ergebnisse wahrnimmt. Und je jünger man ist, desto mehr passt noch in einen Kopf rein. Hab ich mal gehört. Ich glaube, die beiden mir gegenüber haben ein Date. Sie lacht viel. Das freut ihn, das höre ich an dem Stimmwechsel und seinen Betonungen. Sie hat ein hübsches Lachen. Erste Fortschritte, sie probiert von seinem Kaffee und hat ihre Hand die ganze, wirklich die ganze Zeit in Ihren Haaren. Die fallen glatt runter, was machst du da? Mein Kaffee ist mittlerweile angekommen, ich probiere kurz. Ich hoffe sie fragt gleich nicht, ob sie den auch probieren kann. Das wäre echt schräg. Das Gespräch wird flüssiger, sie haben sich langsam mehr aneinander gewöhnt. Si, Si Si Si.

Ich sitze immer noch drinnen und starre auf das Display, während draußen die Sonne untergeht. Nach draußen gucken geht nicht, da wird gerade ein Kurzfilm gedreht und meine In-Film Ex macht Stalkerbilder von mir. Weird. Bin mal gespannt, was die am Ende wirklich damit machen wird. Ich mag die Truppe, gutes Team. Die Story ist echt gut, aber wenn ihr die erfahren wollt, müsst ihr euch den Film anschauen gehen. Love you different. Aber nicht different ha ha. Stalker- different. Keine Ahnung, wo man den streamen kann. 

Das hier sind nur meine fĂĽnf Minuten im Starbucks am Friesenplatz.

© Marcel Becker 2024-12-20

Buchkategorie
Romane & Erzählungen
Stimmung
Komisch, Reflektierend
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