Adventkalender

WANABE

von WANABE

Story

Amüsiert höre ich immer wieder die Frage “Adventkalender – auch für Erwachsene?“ im Radio sowie diskutiert unter Freunden und Arbeitskollegen.

Da kommt mir unser erster von Tante Poldi selbst gebastelte in den Sinn. Ein schmaler weißer Streifen Filz, aufgeklebte Zündholzschachteln, jede einzelne liebevoll aus dem gleichen Material mit Zahlen und Symbolen verziert. Als Mama diesen Adventkalender aus dem Versteck zauberte, waren meine Brüder und ich in Hochstimmung und kurz darauf in Streitlaune. Wer durfte das erste Schachterl öffnen, wer das zweite und wer musste unendlich lange warten, um das dritte zeitig in der Früh aufzuschieben? Natürlich konnte Mama sich nicht an die Reihenfolge des Vorjahres erinnern und schenkte den drei Varianten, die wir ihr glaubhaft zu präsentieren versuchten, keinen Glauben. Würfeln wurden aus der Spielesammlung gekramt und schnell war alles entschieden. Ich erinnere mich an die Aufregung, wenn ich morgens erwachte und feststellte, dass ich an der Reihe war. Ich kletterte die Leiter des Stockbettes hinunter und schon tapste ich in Begleitung von zwei Pyjamabuben ins Wohnzimmer. Das Geräusch beim Aufschieben erfüllte den Raum, so still war es so gut wie nie, wenn wir Drei gemeinsam unterwegs waren. Ganz gleichgültig, ob der Inhalt ein Streifen Pez, ein buntes Zuckerl oder ein Stück eingewickelte Schokolade war, es fühlte sich himmlisch an, dieses Tagesprivileg!Als wir älter wurden, gab es manchmal zusätzlich einen dieser damals modernen Schokoladenkalender, aus dem wir einen Bär, einen Stern oder eine Schneeflocke mit viel Gefühl drücken konnten.

Für meine Kinder wählte ich eine Kette mit kleinen Jutestiefeln, die ich meist abends füllte oder die mich manchmal nachts hochschrecken ließen, wenn ich das vergessen hatte. Solange meine Tochter noch zu Hause lebte, war er aktiv. Die letzten beiden Jahre lag er in einem Karton am Dachboden und dann kam die WhatsApp Nachfrage meiner Tochter, ob sie ihn haben könne. Gestern dann ein Foto einer zarten Perlenkette, die das Fenster schmücken würde. Elias, der Freund meiner Tochter hatte Schnur und bunte Perlen in den kleinen Schuh versenkt. Ich bin gerührt, wie liebevoll diese Traditionen weitergeführt werden.

Und heuer habe ich einen ganz besonderen Adventskalender von meiner lieben Bonusmama Annette bekommen, der meine Adventszeit wieder aufregend macht. Jeden Tag stellt ein Freiwilliger ein Buch der Bibliothek in Hutwill im Kanton Bern vor. Ein Türknarren und schon lausche ich dem vertrautem Schwyzerdütsch. Der Buchhandel bei mir in Neunkirchen profitiert bereits. Gestern ist das erste Buch dort zur Abholung bereit gewesen.Nun hier die Antwort auf die Frage, welche ich anfangs stellte. Auch für Erwachsene kann und soll die Adventszeit mit dem passenden Kalender aufregend sein.

© WANABE 2021-12-05

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