von Gabriele Koubek
Wasser ist Leben.
Mit dieser Erkenntnis haben die Menschen auf Madeira schon im 15. Jahrhundert begonnen etwas Einzigartiges zu schaffen. Sie bauten ein über 1000 km langes Bewässerungssystem.
In den Bergen regnet es reichlich, aber das Wasser auf den Plantagen im Süden ist knapp. Erst die Levadas machten Madeira fruchtbar. Zuckerrohrfelder, Weinberge und Bananenplantagen werden damit bewässert.
Das Wasser in den Levadas fließt nur mithilfe der Schwerkraft. Es umfährt Täler und Berge, verläuft durch Tunnel und kreuzt natürliche Wasserläufe auf Aquädukten. Ein Teil des Wassers wird in Wasserkraftwerke geleitet.
Die meisten der rund 200 Levadas befinden sich in Staatsbesitz und müssen ständig gewartet werden.
Deshalb sind alle Levadas begehbar und diese Wege sind auch für touristische Zwecke erschlossen.
Wir wählen den Levada Rabaçal für eine Wanderung.
Es regnet und das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum wir ganz allein auf dem Parkplatz stehen.
Der Wasserkanal ist circa 50 cm breit und ebenso tief. Das frische Quellwasser plätschert fröhlich zwischen Meter hohen Farnen dahin. Eukalyptusbäume und Lorbeerbäume stehen neben dem Weg.
Es regnet jetzt ein bisschen stärker und der rote Sandboden wird immer rutschiger. Große Wasserlacken versperren uns zum Teil den Weg.
Trotz der wunderbaren Natur verlässt mich schon nach kurzer Zeit die Motivation zum Wandern. Evi und ich drehen uns kurz entschlossen um und gehen zurück zum Auto. Alle anderen haben tapfer die Wanderung fortgesetzt.
Obwohl meine Levada Wanderung nur ein kurzes Erlebnis war, spüre ich trotzdem noch lange Zeit den Eukalyptusduft in meiner Nase.
Unser nächster Halt ist eine 300 Jahre alte Mühle, die mit Levada Wasser betrieben wird.
Sie ist die letzte Mühle, die auf der Insel noch aktiv ist. Die Bewohner der Region lassen hier ihr Getreide malen.
Der geschäftstüchtige Müller erlaubt uns alles anzuschauen und zu fotografieren.
Dann verkauft er uns ein Sackerl voll mit Keksen, die aus hier gemahlenen Mehl und nach traditioneller Madeiraart gebacken wurden.
Unglaublich, wie nachhaltig hier genascht wird.
© Gabriele Koubek 2026-05-22